"Schildkröten können dir mehr über den Weg erzählen als Hasen", lautet ein chinesisches Sprichwort. Heißt: Wer sich langsam ans Ziel herantastet, sieht mehr. Die Weisheit hat sich Dietmar Voggenreiter, der acht Jahre lang das China-Geschäft von Audi leitete und nun nach Ingolstadt zurückkehrt, zu eigen gemacht.
Der 46-Jährige, der zum 1. November Vorstand für Vertrieb und Marketing bei Audi wird, hat für seinen neuen Job zwei Erfolgsrezepte aus China mitgebracht: "Sei flexibel und plane dich nicht zu Tode. Taste dich rein und gehe dann Schritt für Schritt", sagte er kürzlich in einem Interview. "Wer zu viel plant, denkt am Ende, er könne die Zukunft voraussagen. Das geht aber nicht. Man muss immer so fahren, dass man jederzeit ausweichen kann."
Die positive Bilanz, die Voggenreiter in Asien eingefahren hat, gibt ihm recht: Als er den Job 2007 antrat, verkaufte Audi im Jahr 80.000 Autos in China. Im vergangenen Jahr waren es 579.000 – eine Steigerung um das Sechsfache. Das Portfolio wurde in dieser Zeit von sechs auf 39 Modelle erweitert, die Zahl der Händler wuchs von 120 auf mehr als 400. Audi ist in China die Nummer eins im Premiumbereich, wenngleich der Markt auch für die VW-Tochter zuletzt deutlich zu schwächeln begann. Doch Voggenreiter, der seit 2002 im Unternehmen ist und zunächst im Controlling und in der strategischen Unternehmensplanung tätig war, spricht – auch hier ganz besonnen – nicht von Krise, sondern von Wachstumsschwäche. Er habe in China auch gelernt, "dass schwierige Zeiten auch relativ schnell wieder zu Ende sein können".
Auf schwierige Zeiten darf sich Voggenreiter auch in der deutschen Heimat schon mal einstellen. Denn der von der Konzernmutter VW ausgelöste Abgasskandal zieht immer weitere Kreise. Der neue Vertriebs- und Marketingchef wird damit noch lange zu kämpfen haben. Doch er wird sich auch hierbei nicht hasenfüßig durch die Felder pflügen. Er geht lieber langsam spazieren – Voggenreiter ist "gerne in der freien Natur".