München. Deutlich mehr als eine Milliarde Euro – so hoch ist der deutschlandweite Umsatz mit Autozubehör, Ersatzteilen und Reifen, der pro Jahr im Internet erzielt wird. Doch dieses von TNS Infratest ermittelte Volumen verteilt sich äußerst unterschiedlich auf die verschiedenen Segmente. Da gibt es Artikel wie Dachträgerboxen, von denen der Präsident des Gesamtverbands Autoteile-Handel (GVA) Hartmut Röhl sagt, sie seien weitgehend ins Netz abgewandert und für die stationären Betriebe fast verloren. Auch bei Reifen wächst der Marktanteil der Internetportale kräftig. Bereits jetzt kratzt er an der Zehn-Prozent-Marke und könne sich bis 2020 verdoppeln.
Und dann gibt es das klassische Ersatzteilgeschäft, wo Internetverkäufe an Endkunden laut Röhl bisher keine große Rolle spielen. „Was zurzeit unter Autoteile angeboten wird, ist eher die Spielzeugabteilung“, sagt der GVA-Präsident. „Wie soll der Kunde das Teil denn identifizieren?“ Dies sei selbst für Werkstattprofis oft schwierig. Und auch für Kfz-Betriebe sei der Einkauf in reinen Onlineshops nicht sonderlich attraktiv, weil sie für die Reparatur meist eine Belieferung innerhalb weniger Stunden benötigen.Zudem spielt es eine Rolle, ob ein Produkt vom Endkunden selbst eingebaut werden kann. Bei Reifen setzen die Onlineportale dafür auf Betriebe vor Ort, die die Reifen montieren. Auch ist die Identifizierbarkeit hier unproblematisch und eine Lieferung binnen Stunden nicht nötig. Kein Wunder also, dass der Bundesverband Reifenhandel (BRV) sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzt und mit einem eigenen Portal aktiv werden will.Teilehandel
Eher die Spielzeugabteilung
Auch das Geschäft mit Autoteilen wandert zunehmend ins Internet. Doch von der Verlagerung des Teilehandels ins Netz sind nicht alle Produktkategorien gleichermaßen betroffen.
Kaum Markenbewusstsein beim Online-Ersatzteilhandel
Ein wesentlicher Aspekt beim Online-Ersatzteilhandel ist dagegen, dass die Kunden in diesem Bereich kaum ein Markenbewusstsein haben. Den Verbrauchern sind die Namen von Zulieferern nur selten ein Begriff. „Der Kunde weiß nicht, wie gut die Teile sind, und kann auch den Unterschied nicht einfach feststellen“, sagt Röhl.
Die Schwierigkeit, die Qualität der im Netz gekauften Teile einzuschätzen, ist auch einer der Gründe, warum Röhl Werkstätten davon abrät, von Kunden mitgebrachte Teile in Autos einzubauen. „Da muss der Werkstattmeister schon aus haftungsrechtlichen Gründen Nein sagen“, betont er. Dieses Problem lasse sich nicht einfach dadurch lösen, dass der Meister den Kunden darauf hinweist. „Bei allen sicherheitsrelevanten Teilen ist das höchst kritisch“, mahnt der GVA-Präsident. Zudem brauchen die Werkstätten die Einkünfte aus der Teilemarge.Trotz aller limitierenden Elemente wächst der Onlineteilehandel. Eine ganze Reihe von Mitgliedsunternehmen böten Internetshops an, sagt Röhl. Teilweise geschehe das unter dem eigenen Namen, teilweise unter anderem. Auch Delticom, eigentlich vor allem für seine Reifenaktivitäten im Internet bekannt, ist im Teilehandel aktiv. Vorstandsmitglied Frank Schuhardt kennt die Probleme wie die Notwendigkeit der schnellen Lieferung oder den Einbau. Für Letzteren greift Delticom bei seinem Angebot Autoteile-Meile aber auf ein aus dem Reifenbereich bewährtes Konzept zurück: 3700 Montagepartner vor Ort übernehmen dies. Oft sind es dieselben, mit denen das Unternehmen schon bei der Reifenmontage kooperiert.Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Davon geht auch Röhl aus: „Je stärker wir das Internet als Alltagseinkaufsinstrument betrachten, desto mehr Autoteile werden sich dort auch finden.“