Friedrichshafen. "Wir sehen auch in Zukunft das Doppelkupplungsgetriebe eher für sportliche Segmente und vor allem für den Heckantrieb“, sagt Gerhard Wagner, Leiter der Pkw-Antriebstechnik bei ZF. Auch wenn die Friedrichshafener seit etwa einem Jahr ihr Doppelkupplungsgetriebe für die Modelle 911 und Boxster/Cayman an Porsche liefern und nun auch für den neuen Panamera bereitstellen: Die ganz große Zukunft scheint man am Bodensee dieser Lösung immer noch nicht zu geben. Das ZF-Werk in Brandenburg, wo jährlich rund 200.000 Schaltgetriebe hergestellt und nun das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe endmontiert wird, ist derzeit auf eine Kapazität von 50.000 Einheiten pro Jahr ausgelegt, was dem Porsche-Volumen entsprechen dürfte. Zusätzliche Kunden für die sehr sportliche, auf Drehmomente bis 780 Newtonmeter und Leistungen bis 530 PS ausgelegte Doppelkupplung sind offenbar noch nicht in Sicht.
Dabei ist das bei Porsche PDK genannte Getriebe durch ein flexibles Baukastensystem durchaus für verschiedene Lösungen geeignet. Bei Porsche arbeitet die Doppelkupplung mit dem Heckmotor des 911 ebenso wie bei der Mittelmotor-Konfiguration von Boxster und Cayman und auch bei der Frontmotor- Heckantriebskombination des Panamera – dort sogar in Verbindung mit Allradantrieb und Start- Stopp-Funktion. Für den Massenmarkt (Front- Quer) hat der Zulieferer noch keine Lösung parat. Hier dominiert Vorreiter Volkswagen mit einer eigenen Lösung. Die Stärke der Wolfsburger könnte langfristig für ZF ein Problem werden, wenn sich der Konzern dazu entscheiden sollte, für das neue Konzernmitglied Porsche die Doppelkupplungen selbst zu entwickeln. Vielleicht ist auch dies ein Grund für die relativ reservierte ZF-Haltung zu dieser Getriebeart.
Sehr zufrieden ist man bei ZF in Friedrichshafen dagegen mit dem neuen Achtstufen-Vollautomat, der erstmals im neuen Zwölfzylinder- BMW 760i zum Einsatz kommt. Bisher hatte lediglich Lexus in seiner Luxuslimousine LS 460 ein solches Getriebe angeboten. "Wir haben für BMW das Getriebe mit der perfekten Gangzahl geschaffen“, schwärmt Wagner. "Wir hätten durchaus auch sieben oder neun Gänge realisieren können, aber acht Gänge passten einfach perfekt.“ Gerhard Wagner rechnet damit, dass Achtganggetriebe in den nächsten Jahren die Sechsgang- Varianten ablösen werden. "Bis 2013 werden wir bis auf wenige Ausnahmen komplett von sechs auf acht Gänge umgestellt haben“, ist sich der Getriebespezialist sicher. Eine weitere Steigerung der Ganganzahl erwartet Wagner in den kommenden Jahren dagegen nicht. "Achtgang-Wandler werden auf absehbare Zeit im Automobilbau State-of-the-Art bleiben.“