München. So betonte Ralf Tomczak, Director Technology bei Mobile.de, dass der Handel eine digitale Strategie brauche. Die Zeiten, in denen es ausgereicht habe, am Standort einen Glaspalast zu errichten, seien vorbei. Luz G. Mauch, Senior Vice President Automotive bei T-Systems, sieht bereits eine Tendenz zur Professionalisierung im Handel. Der werde in Bezug auf die digitale Strategie oft eigenständig aktiv, ohne auf Vorgaben der Hersteller zu warten. Thomas Hausch, Geschäftsführer des Nissan Center Europe, betonte, dass man aktive Unternehmer wolle. Als Beispiel für Nissans eigene fortgeschrittene Aktivitäten im Netz nannte er Werbung, die ans Surfverhalten angepasst wird: „Wir haben exklusive Websites, auf die wir Käufer gezielt ziehen, die sich für Wettbewerber unserer Modelle interessieren.“ Dort wird dieses Auto dann mit Nissans Qashqai verglichen. Natürlich objektiv, wie Hausch betonte. „Wir sind überzeugt, dass der Kunde extrem auf Fairness achtet.“ Dabei gehe es sowohl um den Umgang mit dem Wettbewerber als auch mit den Daten des Kunden. Diese Herausforderung sieht auch Reinhard Clemens, Telekom- Vorstand und Chef von T-Systems. In Deutschland stelle sich stets die Frage, welche Daten gesammelt werden dürfen. Häufig ist die Erlaubnis des Kunden nötig, die aber nur zu bekommen sei, wenn dem Kunden ein attraktives Angebot gemacht werde. Auch Sven Schuwirth, Leiter Marken- und Vertriebsentwicklung bei Audi, betonte, dass die Daten dem Kunden gehören und dieser entscheiden solle, was gespeichert wird. „Unsere Philosophie ist es, dem Kunden stets transparent zu machen, was in einem solchen Fall mit seinen Daten geschieht und was für ein Mehrwert für ihn daraus resultiert.“ Bernhard Winkler, CIO bei Automotive Lighting, sagte, dass gerade junge Kunden ihre Daten gern bereitstellten – beispielsweise bei der Verwendung von Apps auf ihren Smartphones. So könne man den nächsten Schritt auf den Kunden zugehen. „Das machen uns andere Anbieter vor.“ Thomas Henkel vom finnischen Sportausrüstungshersteller Amer Sports sieht eine große Herausforderung darin, das Instrumentarium der Marketingmöglichkeiten richtig zu nutzen – insbesondere in Zeiten, in denen soziale Netzwerke für die Kaufentscheidung immer wichtiger würden. Die Bedeutung sozialer Netzwerke betonte auch Telekom- Vorstand Clemens – gerade für die Kaufentscheidung der jüngeren Generation. Es gehe dabei um die Frage, ob ein Produkt in der Community ankomme. Günter Weinrauch, IT-Chef des ADAC, sieht hier auch eine Chance, im Internet von Billigangeboten wegzukommen, wie er mit einem persönlichen Beispiel erläuterte: Wenn sein Sohn etwas haben wolle, weil es seine Freunde haben, achte er nicht darauf, ob es bei einem anderen Händler vielleicht etwas billiger zu haben ist. Angesichts der zunehmenden Möglichkeiten des Internetshoppings müsse der klassische stationäre Handel Eventcharakter entwickeln, argumentierte IT-Vorstand Clemens. „Deshalb bin ich gespannt, ob die Autohändler über die Jahre nicht wieder in die Stadt gehen. Der Kunde fährt nicht zum Event ins Industriegebiet, um sich ein Auto anzusehen.“
Diskussion zum Automobilvertrieb der Zukunft
Digitalstrategie und Kundendaten
Transformieren oder verlieren – unter diesem Motto stand der von der Automobilwoche und dem Magazin „CIO“ veranstaltete und von T-Systems unterstützte Executive Talk in München. Die teilnehmenden Manager beschäftigten sich dabei mit dem Vertrieb der Zukunft. Dass am Internet kein Weg vorbeiführt – darin waren sich alle einig.