Köln. Im Gespräch mit Automobilwoche analysierte der Autodesigner aktuelle Trends in der Branche. Zudem erklärte Smith, was für ihn ein gutes Auto ausmacht -- und wo die Kreativität aufhört.
Herr Smith, fast zeitgleich mit Ihnen hat der Saab-Designchef Michael Mauer General Motors verlassen. Muss man sich Sorgen um das GM-Design machen?
Ein oder zwei Männer bestimmen keine Designabteilung. Das Team bleibt weiterhin kompetent. Ein Chefdesigner kann zudem nur das liefern, was ein Vorstandschef verlangt. Ford of Europe-Chef Lewis Booth verlangt ein progressives Design -- und ich bin in der glücklichen Lage, das erfüllen zu dürfen. Ich hoffe natürlich, dass mein Einfluss bei Opel sichtbar bleibt. Denn ein Wechsel in der Designführung kann durchaus zu einem markanten Bruch führen.
Was waren die Gründe für Ihren Wechsel von Opel zu Ford?
Ich habe grosses Potenzial bei Ford gesehen. Die Zeit ist reif für eine neue Ära des Ford-Designs. Deshalb freue ich mich, dass ich die Chance habe, es zu entwickeln.
Was zeichnet denn gutes Design Ihrer Meinung nach aus?
Es strahlt auch nach 20 Jahren noch eine Faszination aus. Es ist geprägt durch stimmige Proportionen, eine überragende Präsenz und interessante Details. Ein gutes Design ist mutig, frisch, reflektiert Fahrdynamik und Qualität.
Was sind für Sie die prägenden Eckpunkte des Ford-Designs?
Für die Zukunft wird sich Ford -- dies hat unser SAV-Modell in Genf gezeigt -- durch neue Elemente auszeichnen: gute Proportionen, die eine hohe Kundenfreundlichkeit ermöglichen. Daneben eine expressive Formensprache, die von gespannten Flächen über weiche Formen bis hin zu klar definierten Kanten reicht. Die Gesamtform ist voller ansprechender grafischer Elemente. Zudem legen wir viel Wert auf Details, wie Scheinwerfer und Felgen. Das alles macht einen Ford unverwechselbar und auf der Strasse sofort identifizierbar.
Haben Sie dieser neuen Designsprache einen Namen gegeben?
Ein Name wäre schön, würde uns aber vielleicht zu sehr einengen.
Gehört das "New Edge"-Design bei Ford der Vergangenheit an?
Der Fokus des Modelljahrs 1998 lebt noch in einigen Details seines Nachfolgers, aber der Generationswechsel hat stattgefunden.
Wann sehen wir den ersten Ford mit Ihrer Handschrift?
Das wird schon Ende 2005, Anfang 2006 der Fall sein. Dann werden wir die ersten Indizien geben, in welche Richtung es geht. Spätestens der Mondeo-Nachfolger wird eine neue, progressive Designsprache sprechen.
Werden Sie sich mit neuen Nischen beschäftigen?
Wir suchen nicht krampfhaft danach, denn wir decken schon sehr viele Segmente ab.
Wollen Sie in Zukunft auch Modelle im Retro-Look anbieten?
Nein.
Warum nicht?
Weil dieser Look nicht zur europäischen Ford-Marke passt. US-Kunden nehmen das Thema "Living Legend" gut auf, Europäer dagegen sind weniger nostalgisch. Sie sind mode- und zukunftsbewusster, sie verlangen nach "sophisticated" Design. Zudem leiden Retro-Modelle unter zu kurzen Lebenszyklen, Käufer haben sich schneller daran satt gesehen.
Der Mini ist ein Gegenbeispiel.
Ja, aber auch das einzige, das ich kenne. Und hier ein erfolgreiches Nachfolge-Modell zu designen wird sehr, sehr schwierig werden.
Was ist für Sie die derzeit stärkste Designleistung auf dem Markt?
Der Aston Martin DB9 ist die perfekteste, absolut zeitlose Designleistung der Gegenwart.
Und bei Volumenmodellen?
Die französische Automobilindustrie hat hier mit verschiedenen Modellen den Weg gezeigt. Bei Clinics nennen Kunden hier als erstes Merkmal immer noch "schick". Und schicke Autos werden immer ein Erfolg. Doch gerade bei Volumenmodellen ist das eine schwierige Aufgabe.
Inwiefern?
Jeder Designer träumt davon, einen Sportwagen zu kreieren. Die viel schwierigere Aufgabe ist es aber, ein attraktives Modell im Volumensektor zu entwickeln. Käufer von Volumenmodellen sind nicht bereit, irgendwelche Kompromisse einzugehen, sei es nun beim Platzangebot oder der Bequemlichkeit. Darum arbeiten Volumenmodell-Designer zwangsläufig in einem engeren Rahmen, müssen ein unwiderstehliches Design mit ausnahmslos praktischen Attributen verbinden.
Was sind im Automobildesign die Trends von morgen?
Der moderne Automobilkunde ist ein komplizierter Mensch mit mehrdimensionalen Wünschen, die ein Hersteller alle berücksichtigen muss. Hier liegt ein riesiger Vorteil eines Grosskonzerns wie Ford. Unsere Fahrzeugarchitekturen geben uns die Flexibilität, auf diese vielfältigen Bedürfnisse zu reagieren. Dabei lassen wir uns nicht durch eine Plattformstrategie einengen, sondern kreieren frisches Design mittels einer intelligenten Komponentenstrategie.
Diese Strategie ist schon mehrfach missglückt. Der Jaguar X-Type ist im Grunde nur ein Ford Mondeo in einem neuen Kleid.
Das war vor meiner Zeit.
Wird das Autodesign durch gemeinsame Komponenten und die Vorgaben der Gesetzgeber nicht immer ähnlicher und damit austauschbar?
Nein. Das Korsett der Designer wird zwar wieder enger, aber es ergeben sich auch neue Möglichkeiten und Formelemente. Hier ist einfach Kreativität gefordert.
Wird diese Kreativität durch die steigende Nutzung von Computern nicht schwer gefährdet?
Einige Hersteller begehen diesen Fehler. Starke Marken aber nutzen den Computer nur als Werkzeug der Darstellung -- und um Ideen schneller zu verwirklichen. CAD heisst Computer "Aided" Design, computerunterstütztes Design. Es wird niemals ein Computer-Design ohne die Kreativität von Menschen geben. Eine der obersten Aufgaben des Designers ist es schliesslich, die Eigenständigkeit des Designs einer Marke herzustellen.
Zur Identifizierung neuer Trends zieht die Automobilbranche verstärkt Psychologen hinzu. Geschieht das auch bei Ford?
Ich habe noch nie einen Seelendoktor benötigt. In meinen Augen reicht es, wenn der Chef weiss, wie ein Auto auszusehen hat. Schliesslich wird ein Psychologe auch niemals einem Komponisten helfen können, einen Hit zu schreiben. Autodesign bleibt das Ergebnis einer klaren Analyse von Elementen, einer fruchtbaren Diskussion im Designteam -- und einer gehörigen Portion Intuition.
Das Interview führte Harald Hamprecht.