München/Hamburg/Köln. Die beiden Überwachungsorganisationen TÜV Süd und TÜV Nord wollen sich bei Fahrzeuguntersuchungen nicht länger auf ihre Stammgebiete beschränken und starten den Aufbau bundesweiter Prüfnetze. Möglich macht dies eine Entscheidung des Bundesrats vom September 2008. Seither werden nicht mehr nur Organisationen freiberuflicher Sachverständiger wie GTÜ und KÜS von den Bundesländern für die Fahrzeugprüfung zugelassen, sondern auch Angestelltenorganisationen wie die TÜVs. Diese Chance wollen beide Unternehmen nutzen, um den bereits heute bundesweit tätigen Prüfern von Dekra, GTÜ und KÜS Marktanteile abzunehmen.
Dabei gehen TÜV Nord und TÜV Süd unterschiedliche Wege: Die Norddeutschen werden mit angestellten Ingenieuren prüfen. "Dennoch wollen wir nicht ausschließen, dass es auch zur Zusammenarbeit mit loyalen Ingenieurbüros kommen kann“, sagte ein TÜV-Nord-Sprecher. Die Süddeutschen hingegen haben mit TÜV Süd Auto Partner eine neue Tochtergesellschaft gegründet, die allein mit freiberuflichen Ingenieuren arbeitet. "Wir gehen davon aus, dass bis Ende des Jahres das Netz so weit steht, dass TÜV Süd Auto Partner in die operative Phase eintreten kann“, sagte Horst Schneider, Geschäftsführer von TÜV Süd Auto Service, der Automobilwoche.
Für den TÜV Süd ist die bundesweite Expansion vor allem im Hinblick auf Großkunden interessant. Dabei zielt Auto Partner auf die Niederlassungen der Autobauer, große Werkstattketten wie Auto-Teile-Unger und Pit Stop oder Autohandelsgruppen, die in mehreren Bundesländern vertreten sind. Mittelfristig soll das Netz aus 100 Partner-Büros bestehen, die vor allem außerhalb der Region des TÜV Süd agieren. Ausgeschlossen ist ihr Einsatz im Stammgebiet aber nicht, denn auch dafür wurden Genehmigungen beantragt. Für zehn Bundesländer liegt die Anerkennung bereits vor.