München. Die Regelung der Nachfolgefrage in Autohäusern ist das wohl wichtigste Geschäft im Leben eines Unternehmers - und leider eines der am meisten vernachlässigten. Nach Angaben des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung stehen Jahr für Jahr rund 71.000 Familienunternehmen in Deutschland vor der Frage, wie die Nachfolge zu regeln ist. Fast die Hälfte dieser Unternehmen übergeben die Leitung an eine externe Führungskraft - in fast allen Fällen durch den Verkauf des Unternehmens. 44 Prozent der Betriebe werden im Rahmen einer familieninternen Nachfolge übergeben. Und für knapp 6000 Unternehmen pro Jahr endet die Suche nach einem Nachfolger mit der Betriebsschließung.
Das muss nicht sein, glaubt Rainer Burfeid, der mittelständische Kfz-Betriebe bei der Regelung der Nachfolge berät. "Ein Unternehmen, das übernahmefähig ist, darf nicht geschlossen werden", sagt der Betriebswirt, der Autohäuser sowohl bei der Organisation der internen Nachfolge als auch bei der Suche nach einer externen Lösung unterstützt (www.nachfolge-im-autohaus.de).
Gerade in Familienbetrieben "wiegen Generationskonflikte oft schwerer als eventuelle wirtschaftliche Schwierigkeiten", weiß Burfeid aus der Praxis. Der häufigste Fehler, den die Autohäuser machen, ist allerdings, dass sie sich zu spät mit dem Thema Nachfolge auseinandersetzen. Dies bestätigt auch eine aktuelle Untersuchung der Puls-Marktforschung aus Nürnberg. Demnach haben 38 Prozent der befragten Autohäuser ihre Nachfolge derzeit nicht geregelt. Als Begründung geben fast 40 Prozent der Händler an, sie fühlten sich dafür zu jung. Mehr als ein Viertel der Befragten messen dem Thema sogar keine Priorität zu. Ein schwerwiegender Irrtum, glaubt Berater Burfeid. Denn die Vorbereitung der Nachfolge sollte "im Prinzip schon dann beginnen, wenn jemand ein Unternehmen gründet. Spätestens aber im Alter von etwa Mitte fünfzig", empfiehlt er.
Außerdem leiden viele Nachfolgeregelungen unter der "fehlenden Erkenntnis des Gesamtzusammenhangs der Unternehmensnachfolge". Denn diese erschöpft sich nicht in der Suche nach einem geeigneten Nachfolger, sondern umfasst auch wirtschaftliche, steuer-, zivil- und erbrechtliche Fragen. Und nicht zuletzt ist die Nachfolge "für den Unternehmer und seine Familie eine sehr emotionale Angelegenheit", betont Berater Burfeid. Vor allem dann, wenn ein unvorhergesehenes Ereignis wie Krankheit oder plötzlicher Tod schnelles Handeln erforderlich macht. Dies ist in gut einem Viertel der Fälle Auslöser der Nachfolge. Deshalb sollte es stets einen Notfallplan geben, der Testament, Bankvollmachten und Versicherungen berücksichtigt und jährlich überprüft wird. Die Praxis sieht leider anders aus, weiß Berater Burfeid: "Viele Unternehmer haben gar kein Testament". Nicht selten gehe ein Unternehmen dann "den Bach runter, weil sich die Erbengemeinschaft zerfleischt.
Doch auch ohne Todesfall kann ein Familienunternehmen ins Schlingern geraten, etwa wenn eine Scheidung ansteht. Deshalb muss dieser Fall ebenfalls geregelt werden - auch wenn es den Beteiligten verständlicherweise widerstrebt. "Denn gerade in mittelständischen Unternehmen", so Berater Burfeid "sind die Ehefrauen überdurchschnittlich oft in den Betrieb eingebunden."