Peking beschränkt derzeit die Zahl der Neuzulassungen, um etwas gegen den unfassbaren Smog zu tun. Diese Meldung ging in den vergangenen Tagen durch die Medien. Bebildert wird sie meist mit Autos, die sich durch dichten Nebel quälen, und man meint geradezu die dicke Luft zu riechen. Tatsächlich ist die Luftqualität in chinesischen Großstädten, vor allem im Landesinneren, gesundheitsgefährdend schlecht. Eine der beliebtesten Websites der Expats in Peking ist die der US-Botschaft, auf deren Dach – neben diversen NSA-Antennen – auch Messanlagen für die Luftqualität stehen. An vielen Tagen lautet die Empfehlung der Botschaft, zu Hause zu bleiben und Fenster und Türen geschlossen zu halten. Doch ist wirklich der Autoverkehr dafür verantwortlich? Dass der schlimmste Smog jeweils zu Beginn der Heizperiode auftritt, also derzeit, ist schon mal ein deutlicher Hinweis.
Tatsächlich sind es vor allem Staub und Rußpartikel, Schwefeldioxid und Stickoxide, die den Pekingern das Atmen schwer machen. Nur: Diese Schadstoffe kommen im Abgas moderner, mit geregeltem Katalysator ausgestatteter Benzin-Pkw nicht oder kaum messbar vor. Deshalb bekommen auch alle Benzin-Pkw in Deutschland ab Abgasnorm Euro 1 eine grüne Umweltplakette. Schwefel zum Beispiel, der gefährlichste Bestandteil des Smog, stammt in Peking ausschließlich aus Kohleheizungen und -kraftwerken. Kohle ist nach wie vor der wichtigste Energieträger in China. Deshalb wäre es kontraproduktiv, als Heilmittel gegen den Smog in China ausgerechnet Elektroautos zu propagieren. Mit Kohlestrom betrieben, verschärfen sie das Problem noch. Rußpartikel aus Diesel- Pkw spielen in China keine Rolle, denn in Pkw sind Dieselmotoren dort in vielen Städten gar nicht zugelassen. Dennoch ist es offenbar zur Zwangshandlung geworden, das Auto für alle Umweltprobleme verantwortlich zu machen – also auch für den Smog in Peking. Als der geregelte Katalysator eingeführt wurde, riet der damalige Präsident des Umweltbundesamts, Andreas Troge, bei Smog sollten möglichst viele Kat-Autos herumfahren. Denn die seien nun wahre Luftreiniger. Tatsächlich könnte kein moderner Pkw die Abgasuntersuchung bestehen, käme aus dem Auspuff, was man in Peking einatmen muss.