Hamburg. Andreas Grabarz lacht gern -- und schallend laut. Für seinen trockenen Humor ist er in der Werbebranche bekannt. Auch über sich selbst kann der Agenturchef von Grabarz & Partner herzlich lachen. Zum Beispiel, wenn er von einer nicht ganz so gelungenen Kampagne erzählt. Ein Plakat für die Möbelkette Ikea etwa sei ihm einmal gründlich missraten. "Ein Gartenzwerg auf Eisenbahnschienen", erinnert sich Grabarz. Das würde er heute so nicht mehr gestalten, gibt er offen zu. Aber auch wenn das Motiv nicht ganz geglückt war -- lustig fand Grabarz es trotzdem: Die Gartenzwerg-Lobby habe getobt, feixt der 1,92-Meter-Mann.
Die "Landpflanze" und die Gartenzwerg-Lobby
Auch beruflich hat der Werber allen Grund zu Lachen: Vor fünf Jahren gewann er den Kampf David gegen Goliath. Damals trat seine kleine Agentur gegen den Werbe-Riesen BBDO an, die Hausagentur von Volkswagen. Grabarz überzeugte mit guten Ideen -- und schnappte BBDO den Passat-Etat weg. Inzwischen betreuen die Hamburger zusätzlich noch den Geländewagen Touareg und die Limousine Phaeton.
So leise Töne wie der Luxusschlitten Phaeton schlägt auch Grabarz manchmal an: Wenn es "rund geht im Job und die Panik vor dem nächsten Pitch am grössten ist". Dann erschallt kein lautes Lachen mehr in den Agenturräumen. Wenn es richtig ernst wird, werde der Teamplayer Grabarz "betont ruhig und leise im Ton".
Das Handwerk des Texters erlernte der Volkswirt und Politologe erst spät. Zuvor musste er sich sein Studium selbst finanzieren, um dann "im vorgerückten Alter von 29 Jahren" seine Karriere in Deutschlands ältester Werbeagentur, bei Wilkens in Hamburg, heute FCB Wilkens, zu beginnen.
20 Jahre später sitzt er in seiner Agentur am Alten Wall, einer vornehmen Innenstadtadresse der Hansestadt. Inzwischen beschäftigt Grabarz knapp 100 Leute, die die Kampagnen für Ikea, Bauknecht und die Zeitschrift "Stern" erfinden. Ihr Chef lehnt sich zurück und raucht genüsslich seine West-Filterzigarette. Er trägt Freizeithose und Turnschuhe, am Arm eine Swatch. "Ich nenne aber auch eine schmucke IWC mein Eigen", berichtet er mit einem Augenzwinkern.
Mittlerweile legt der 49-Jährige keinen gesteigerten Wert mehr auf Statussymbole. Das war nicht immer so: Ende der 80er-Jahre fuhr er nach seinen ersten beruflichen Erfolgen stolz mit einem schwarzen Porsche Cabriolet ins Büro. Inzwischen ist er umgestiegen auf den Kleinwagen Lupo. Zu Hause steht aber auch ein Touareg.
Sein Zuhause, das liegt in Rissen, am Stadtrand der Hafenmetropole. "Als Landpflanze", sagt der im beschaulichen Dorfmark geborene Niedersachse, "finde ich Hamburg sehr spannend."
Doch seine Liebe gehört der Natur. Dort hält er sich am liebsten auf, gern beim Golfspiel. Seiner bevorzugten Sportart frönt der frühere Leichtathlet und Volleyballer in Winsen/Luhe, mitten im Grünen am Rande der Elbmarschen.
Naturverbundenheit, Dynamik und Solidität -- das sind Werte, die Grabarz wichtig sind. Deshalb setzt er sie auch bei vielen Touareg-Kampagnen ein. Frische Ideen schöpft er aus Gesprächen mit Freunden: "Meine Frau und ich kennen viele Künstler und Fotografen", erzählt Grabarz. "Aus den Treffen beziehe ich so manche Inspiration."
Nicht ganz so glücklich ist seine Frau allerdings über eine andere Leidenschaft: seinen Hang zum Fussball. Grabarz spricht deshalb auch von seiner "heimlichen Leidenschaft". Doch so heimlich ist die gar nicht: Grabarz ist ein "glühender Fan" des Hamburger SV. Fussball ist ihm so wichtig, dass er am 4. Juli, seinem Geburtstag, "keine Fete gegeben" hat. Doch auf eine rauschende "Ball-Nacht" verzichtete der Kreative nicht: Mit seinen Kumpels sah er vor dem Fernseher mit an, wie Deutschland im WM-Halbfinale Italien unterlag. "War ja nur ein Spiel", tröstet er sich. Und nimmt die Niederlage mit Humor.