Detroit. Vor ein paar Jahren schwappte die Unplugged-Welle durch die Musikwelt. Plötzlich griffen Superstars zu akustischen Gitarren, setzten sich auf Barhocker und legten los: ungefiltert, pur, schnörkellos. So ähnlich muss man sich das Projekt "Bare Necessities“ (auf Deutsch: "nur das Nötigste“) vorstellen, das der Autokonzern General Motors inmitten seiner schwersten Krise ins Leben rief. Ziel dabei ist, die überbordende Ausstattung moderner Autos radikal zurückzustutzen. Zwei Modelle sind bei GM bislang nach diesem Prinzip entstanden, der "Bare Necessities Truck“ und das "Bare Necessities Car“. Wade Bryant aus dem zuständigen GM-Designlabor sagt: "Ich glaube, die Menschen wollen wirklich, dass wir ein solches Auto auf die Straße bringen.“
Entstanden ist der "Weniger-ist-mehr“- Ansatz quasi als Abfallprodukt bei der Entwicklung des Elektroautos Volt. Als die Marktforscher von GM nach dem typischen künftigen Volt-Kunden fahndeten, fanden sie heraus, dass es den Öko-Autokäufer gar nicht gibt. Bryant: "Deshalb gibt es auch nicht das Öko-Auto, das allen Ansprüchen gerecht wird.“ Am Ende stand die Erkenntnis, dass viele Menschen bereit sind, auf viele nette Details eines Autos zu verzichten, wenn es die wichtigsten Ansprüche erfüllt und zugleich deutlich billiger wird. "Schiere Größe zählt nicht mehr“, sagt GM-Designerin Therese Tant. "Die Leute möchten effiziente Autos, die einfach ihren Job erledigen.“
Aber nicht nur GM, auch Ford hat den Trend zur Einfachheit erkannt. Im vergangenen Jahr rief der Konzern anlässlich des 100. Geburtstags der legendären "Tin Lizzy“ zu einem Konstruktionswettbewerb für das "Model T des 21. Jahrhunderts“ auf. Den Sieg trug der Prototyp des Instituts für Kraftfahrzeuge der Rheinisch- Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen davon (Automobilwoche berichtete). Als Verkaufspreis gaben die Entwickler 6780 Dollar an. Lässt sich so ein Konzept aber auch realisieren? "Oh ja“, sagt Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics. "Dafür wurde sogar eine spezielle Marke geschaffen, nämlich Dacia.“