Wolfsburg. Sie haben die Ideen von morgen, denken weiter und sind flexibler als große Unternehmen: Start-ups entwickeln Trends und sind gefragt wie nie – gerade bei Großkonzernen wie der Deutschen Telekom und ihrer Tochter T-Systems. „Schon Anfang 2012 hat die Deutsche Telekom Startup-Unternehmen in ihre Innovationsstrategie integriert und sich entschieden, dass mehr Impulse von außen notwendig sind. Von kleinen Firmen, die anders denken, die anders sind und die anders arbeiten“, sagt Elke Anderl, Leiterin des Volkswagen-Bereichs bei T-Systems.
Sie will die Gründer mit dem VW-Konzern zusammenbringen und hat deshalb zehn Start-up-Unternehmen zum Tech-Talk nach Wolfsburg eingeladen. „Wir möchten innovative Lösungen, Produkte und Ideen für unsere Kunden nutzbar machen. Die Start-ups wiederum profitieren von unserem Kundenzugang und einer sicheren Lösungsplattform. Und unser Kunde profitiert von Innovationen, die seinen Standards entsprechen“, sagt Anderl. Die Gründer gingen darum mit Spannung in diesen Tag. „Sollte VW uns auswählen und mit uns arbeiten wollen, ist das wie ein Sechser im Lotto“, sagt Emanuel Albert. Er ist für das Berliner Software-Start-up Contiamo nach Wolfsburg gekommen. „Volkswagen könnte mit uns seine kompletten Daten viel übersichtlicher managen“, sagt Albert. Das Monitoring-Tool von Contiamo kann Internetaktivitäten und Datenverschiebungen aller Art in Echtzeit so abbilden, dass Manager, Bandarbeiter und Programmierer intuitiv verstehen, was wie im Konzern vor sich geht.
„Wir sind der Software-TÜV“
Mit einer Softwarelösung ist auch das Start-up Acellere nach Wolfsburg gereist. „T-Systems hat uns gefunden“, sagt Tim Biedenkapp. „Wir hatten die Autoindustrie noch gar nicht im Visier – aber als die Anfrage von T-Systems zu diesem Tech-Talk kam, konnten wir nicht ablehnen.“ Biedenkapps Chef Vishal Rai hat mit seinem Freund Sudarshan Bhide vor fünf Jahren Acellere in Deutschland und Indien gegründet. Die Idee ist, Software, die Unternehmen nutzen oder die für gewisse Prozesse geschrieben wurde, zu beurteilen. „Wir sagen nicht, ob sie gut oder schlecht ist, sondern wir bewerten sie nach gewissen Standards, die es für Software gibt – wir sind quasi der TÜV für Software“, sagt Biedenkapp. Für den Volkswagen-Konzern ist eine Software-Prüfung interessant, wenn sie für all seine Marken einsetzbar ist. „Es müssen die Softwarearchitektur und die unterschiedlichen Softwarekomponenten geprüft werden – nicht, dass dann ein Fehler im System auftaucht, wenn die Technik schon zu Seat und Škoda gewandert ist“, sagt Biedenkapp. Das Start-up Bitplaces präsentierte eine Lösung zu „Location Based Services“, also standortbezogenen Diensten. Ihnen wird immenses Potenzial zugeschrieben. Analysten von Juniper Research rechnen mit 43 Milliarden Dollar Marktvolumen im Jahr 2019.
Standortbezogene Dienste
Bitplaces hat für die standortbezogenen Dienste eine eigene Strategie entwickelt. „Der Endverbraucher sieht nicht gleich, dass es uns in Verbindung mit einer App gibt“, sagt Behrend Freese, einer der Gründer. Die Dienste seiner Firma werden an vorhandene Apps angeschlossen. Anonym wird dann der Standort des Smartphones abgefragt. An bestimmten Orten erhält der Nutzer Hinweise aufs Smartphone. „Das reicht von touristischen Infos bis hin zu Rabattaktionen in der Fußgängerzone“, sagt Freese. Volkswagen, glaubt Freese, könnte damit die VW-App aufwerten. „Die App würde den Fahrer nicht nur über den Tank- oder Batteriestand informieren und das Auto zu- oder entriegeln, sondern es begrüßt den Fahrer beispielsweise in Berlin und weist auf Sehenswürdigkeiten, Lokale oder Geschäfte hin, in denen er in den nächsten Tagen ein Schnäppchen machen kann.“