Frankfurt/Main. Bei Elektroautos gehören Smartphone-Apps schon beinahe zur Grundausstattung. „Apps sind ein Grundstein für die Akzeptanz der elektrischen Mobilität“, sagt Benjamin Franke vom Bundesverband eMobilität. „Zum einen sind sie ein wirksames Instrument gegen die Reichweitenangst, da sie Entfernungen abhängig von der Reichweite des Fahrzeugs berechnen und dabei auch die Ladestationen anzeigen, die auf dem Weg liegen. Zum anderen unterstützen sie den Fahrer beim Ladevorgang und machen diesen grundsätzlich bequemer.“ Ein Beispiel dafür ist der BMW i3: Über eine „Remote App“ hat der Fahrer auch außerhalb des Fahrzeugs Zugriff auf die Fahrzeugdaten und die für die Routenplanung relevanten Informationen. Er bekommt freie und belegte Ladestationen angezeigt und kann erkennen, ob diese innerhalb der aktuellen Reichweite des Fahrzeugs liegen. Außerdem kann er den Ladevorgang aus der Ferne steuern und das Fahrzeug vorkonditionieren. Bei der Entwicklung der Apps arbeiten die Fahrzeughersteller sowohl mit internen als auch mit externen Entwicklern zusammen. „BMW entwickelt Konzepte, Strukturen und auch Apps selbst und sichert sich damit wichtiges Know-how“, erläutert Heinrich Schwackhöfer, Produktmanager für BMW i. Denn bei der externen Entwicklung sind spezifische Anforderungen zu berücksichtigen, mit denen klassische App-Entwickler nur wenig Erfahrung haben – dazu gehört nicht nur die Verbindung zum Fahrzeug über das Infotainmentsystem oder den CAN-Bus, sondern auch Faktoren wie die Fahrerablenkung und generelle Anforderungen an die Zuverlässigkeit. Neben den Apps, die Fahrzeugfunktionen steuern oder darstellen, können grundsätzlich auch alle anderen Apps ins Fahrzeug eingebunden und über das Infotainmentsystem dargestellt werden. Als Schnittstelle zwischen Smartphone und Fahrzeug hat sich neben Apples CarPlay und Android Auto von Google die Plattform MirrorLink etabliert. Sie ist der Standard von Volkswagen, Toyota und Peugeot und wird von den Geräteherstellern Samsung, HTC und Sony unterstützt. „MirrorLink ermöglicht die nahtlose Integration eines Android- Smartphones in die Anzeige und Bedienung eines Fahrzeugs“, berichtet Alf Pollex, Leiter Connected Car und Infotainment bei VW. Bei der Entwicklung fährt auch VW zweigleisig. Die Wolfsburger entwickeln mit eigenen Kapazitäten Apps für MirrorLink. „Es können aber auch extern entwickelte Apps genutzt werden“, sagt Pollex. Entscheidend sei, dass die Apps als MirrorLink-kompatibel zertifiziert sind. „Dies ist dann natürlich keine Zulieferindustrie im klassischen Sinne, aber in einer modernen Interpretation kann man das schon so betrachten.“
App-Entwicklung
Die Fernbedienung
Mein Auto, mein Handy, meine App: Smartphones erobern jetzt auch das Fahrzeug. Mit ihnen kann man im Winter die Standheizung einschalten, an heißen Tagen die Fenster zum Durchlüften herunterfahren oder den Ladezustand der Batterie kontrollieren – ohne überhaupt ins Fahrzeug eingestiegen zu sein. Für Zulieferer und Ingenieurdienstleister eröffnet sich damit ein neues Geschäftsfeld. „Wir übernehmen auf Wunsch für die Autohersteller die gesamte App-Entwicklung und entwickeln im Kundenauftrag auch Apps fürs Fahrzeug“, berichtet Sven Lochau, Fachbereichsleiter beim Berliner Entwicklungspartner IAV.