München. Mit Volkswagen, BMW und Porsche sind es noch immer die großen Autohersteller, bei denen junge Ingenieure laut einer aktuellen Umfrage des Forschungsinstituts Trendence in der Autoindustrie am liebsten arbeiten möchten. Um im Kampf um die besten Talente mit den Automobilherstellern und großen Zulieferern nicht leer auszugehen, müssen sich daher kleinere Zulieferer einiges einfallen lassen.
So bauen sie zu potenziellen Bewerbern gerne schon Kontakt während deren Ausbildung auf. Hirschvogel Automotive etwa, Spezialist für Massivumformung und Zerspanung im oberbayerischen Denklingen: "Wir bilden unseren eigenen Nachwuchs im Rahmen eines Verbundstudiums Maschinenbau mit der Ausbildung zum Industriemechaniker sowie in einem Studium mit vertiefter Praxis aus“, erläutert Udo Fichtner, Konzern-Personalleiter der Hirschvogel Holding. Verstärkt übernehme man zudem junge Leute, die man im Rahmen von Praktika, Werkstudententätigkeiten und Abschlussarbeiten kennengelernt habe. Regelmäßige Kontakte zu Professoren zählt Fichtner ebenfalls zu den Erfolgsfaktoren. "Wir setzen primär auf Nachwuchskräfte, die möglichst schon bei uns ein Praktikum absolviert oder ihre Abschlussarbeit geschrieben haben“, erläutert Maria Schmelcher, Leiterin Personalentwicklung beim Entwicklungsdienstleister CSI, der rund 300 Mitarbeiter beschäftigt. Um den Nachwuchs zu gewinnen, setzt CSI auch auf ungewöhnliche Werbung. Schmelcher: "Ende 2011 haben wir unter dem Motto ‚Wilde Zeiten' eine Recruitingaktion gestartet, die als Botschaft hatte, CSI ist auf der Pirsch nach ‚Freiwild' – also nach qualifizierten Nachwuchskräften. Diese sehr erfolgreiche Aktion haben wir vor Kurzem durch eine neue abgelöst. Jetzt heißt es ,CSI rockt'. Damit wollen wir den jungen Leuten die Dynamik und den Spaß vermitteln, mit dem wir unsere Projekte angehen.“ Zudem plakatiere CSI intensiv in der Nähe von Hochschulen und nutze deren Kommunikationsplattformen, "um die jungen Leute da abzuholen, wo sie sich örtlich und emotional befinden“, erklärt Schmelcher.Die besten Köpfe schon in der Uni werben
Um im Kampf um die besten Talente mit den Automobilherstellern und großen Zulieferern nicht leer auszugehen, müssen sich kleinere Zulieferer einiges einfallen lassen. So setzen sie immer mehr auf Sponsoring und ausgefallene Werbung.
Kleinere Zulieferer setzen auf Sponsoring
Auch Schalterhersteller Marquardt macht sich dem Nachwuchs früh bekannt. Harald Marquardt, Sprecher der Geschäftsführung des Familienunternehmens, erläutert: "Wir sind in sehr vielen gut funktionieren Kooperationen aktiv.“ In Kindergärten finanziert das Unternehmen aus Rietheim-Weilheim Ganztagesplätze und schickt Ingenieure zu Technikprojekten in Kindergärten und Schulen. Mit Hochschulen arbeite man in Forschung und Entwicklung zusammen.
Der Kugellagerhersteller Rollax baut ebenfalls auf Kontakte mit Hochschulen und jene Absolventen, die bereits bei dem Unternehmen in Bad Salzuflen studienbegleitend gearbeitet oder dort Abschlussarbeiten erstellt haben. Auch mit Sponsoringaktivitäten machen sich Zulieferer bekannt. So fördert Rollax künftig das Racing-Team der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, in dem Studenten einen Sportwagen bauen und Rennen fahren. Hirschvogel unterstützt das Infinity Racing Team der Hochschule Kempten, das bei der Formula Student startet. Auch mit der Befüllung sogenannter "Erstsemestertaschen“ fördert Hirschvogel Hochschulen. Mit einem anderen Fokus fördert Marquardt Sport, Soziales, Kultur und Brauchtum, nämlich "weniger, um den Bekanntheitsgrad zu steigern, sondern um unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine attraktive private Umgebung zu schaffen oder zu erhalten“, so Harald Marquardt. "Dass wir mit unserem Ansatz erfolgreich sind, beweisen täglich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 40 Nationen, die bei uns im ländlichen Rietheim ein- und aus gehen“, resümiert der Firmenchef.