Berlin. Im Wettbewerb um datengetriebene Dienstleistungen verschärft sich der Ton zwischen der deutschen Autoindustrie und dem IT-Giganten Google. Bei einer politischen Veranstaltung in Berlin las Audi-Chef Rupert Stadler dem anwesenden Google-Manager Eric Schmidt in puncto Datenschutz die Leviten.
"Für die deutsche Autoindustrie ist das Auto das Kerngeschäft seit 130 Jahren. Für Sie, Mr. Schmidt, ist es erst jüngst interessant geworden", so Stadler, der aufzählte, was Googles Begehrlichkeiten weckt: Das vernetzte Auto als „Mobile Device“ werde zum "umsatzstarken Point-of-Sale" und der Fahrer zum "‚Target‘ der Werbeindustrie". Stadlers Attacke gegen Google gewinnt zusätzliche Brisanz, weil er in Berlin auch für BMW, Daimler & Co. aufgetreten ist: "Ich spreche heute stellvertretend für die deutsche Autoindustrie", sagte er.
"Ein Auto ist heute das zweite Wohnzimmer. Das ist privat. Der Einzige, den die Daten an Bord etwas angehen, ist der Kunde", so Stadler. Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte jüngst einen ähnlichen Ton angeschlagen: "Google will den Menschen auf seinem Weg begleiten. Wir müssen uns überlegen, inwieweit das, was der Mensch im Auto tut, Teil dieser Story sein soll. Das wollen wir aber nur so weit, wie unser Kunde das möchte. Und das geht nur, indem wir die Kontrolle haben."
Autohersteller und Google arbeiten gleichermaßen an Dienstleistungen für vernetzte Fahrzeuge. Das Interesse an den im Auto generierten Daten ist auf beiden Seiten groß. "Unternehmen wie Google wollen die Zeit des Kunden im Auto. Damit stehen sie im Wettbewerb mit uns, denn wir wollen die Zeit unserer Kunden auch", sagt Ulrich Hackenberg, Entwicklungschef des VW-Konzerns, zur Automobilwoche.
Um das Feld nicht den Platzhirschen des Silicon Valley zu überlassen, hat etwa BMW einen Bereich für digitale Dienste und Geschäftsmodelle geschaffen. Die Autobauer betonen, dass es ihnen um Transparenz und Vertrauen zu ihren Kunden gehe, die ihnen Daten anvertrauen. „Das Auto wird also nicht zur Datenkrake“, heißt es dazu von VW. Als "Datenkrake" wird Google immer wieder abfällig bezeichnet. (Mitarbeit: Pia Krix und Henning Krogh)