Erst vor ein paar Tagen wurde Jupp Heynckes in Mönchengladbach der Ehrenring verliehen. Dem bescheidenen Jupp, der vor nicht ganz drei Jahren das Triple nach München holte. Für Heynckes' Nachfolger war klar: Er konnte bei den Bayern nichts besser machen. Pep Guardiola entschied sich dennoch, die Herausforderung anzunehmen. Da drängen sich Parallelen zu Harald Krüger auf. Als designierter Kronprinz bei BMW wusste er, dass Norbert Reithofer große Fußstapfen hinterlassen würde. Das unterstreichen erneut die jüngst vermeldeten Rekordzahlen des Münchner Autobauers. Dass Krüger neben den großen Schuhen auch akrobatische Fähigkeiten brauchen würde, dürfte ihm ebenfalls schon lange klar gewesen sein. Für den Spagat auf mehreren Feldern, genauer gesagt für die Spreizung zwischen M und i, zwischen Hardware und Software, zwischen dem Automobil und den digitalen Diensten.
Krügers neue Strategie ist nachvollziehbar. Der BMW-Chef braucht den Erfolg im "alten" Kerngeschäft, um das neue, das nächste zu finanzieren. Reicht es da, Reithofers Strategie "Number One" nur mit einem "Next" zu ergänzen? Natürlich passt "Next" perfekt zur Jubiläumslosung "The Next 100 Years". Doch eigentlich birgt Krügers Strategieformel überraschend wenig Neues. Aber möglicherweise liegt darin die eigentliche Stärke seiner Marschrichtung. Wurde am Anfang nicht auch Joachim Milbergs Premiumstrategie vielerorts belächelt? Hat es nicht Jahre gedauert, bis Reithofers Strategie "Number One" von jedem verstanden wurde? Vielleicht liegt die Stärke von BMW in diesem typisch unaufgeregten, oft unspektakulären Handeln. Womöglich wird das von Krüger mit Überlegung und Ruhe gespielte "Next" sowohl bei BMW selbst als auch bei den Wettbewerbern in Stuttgart und Ingolstadt, aber auch im fernen Kalifornien seine Wirkung entfalten. Pep Guardiola hat, nach seinem Last-Minute-Wunder gegen Turin am vergangenen Mittwoch, nach wie vor alle drei Eisen im Feuer. Und selbst für den großen Jupp Heynckes ist es im ersten Jahr in München ohne einen Titel nicht gut gelaufen.