Als Ferdinand Piëch im April in Wolfsburg gegen VW-Chef Martin Winterkorn den Kürzeren zog, gab es einen heimlichen Sieger: den Fußball. Für Millionen von Menschen schafft er Woche für Woche Freude und Emotion. Zwei Dinge, die auch perfekt zum Auto passen. Unternehmer, Angestellte und Bandarbeiter lassen beim Anpfiff ihren Gefühlen freien Lauf. Topmanager, Autohändler und Funktionäre liegen sich in den Armen wie jüngst nach dem Pokalsieg der Wölfe in Berlin. Genau das wissen die beiden treibenden „Fußballverrückten“ in Wolfsburg, Martin Winterkorn und sein Chef- Kommunikator Stephan Grühsem. Ihr Plan, den Fußball nachhaltig zu unterstützen, stammt schon aus ihrer Audi-Zeit in Ingolstadt. Nach dem gewonnen Machtkampf bei VW ist ihr Engagement für das Spiel mit dem runden Leder wieder gesichert. Zum Wohle des Fußballs. Denn auch dieser Sport braucht Leute, die bereit sind, sich einzubringen. Das Beste oder nichts, also Weltmeister, wird eine Mannschaft nur, wenn das finanzielle Engagement der Wirtschaft auch in der Breite stimmt. Sepp Blatter hat mit seinem Rücktritt das Richtige für den Fußball getan. Denn Sponsoren wie Daimler, Hyundai, Opel oder Nissan werden jetzt auch weiterhin dicht am Ball bleiben. Selbst wenn Alain Visser, der Vertriebs- und Marketingchef von Volvo, behauptet, dass ihm noch keiner den Sinn von Sponsoring im Fußball habe erklären können. „Wenn ich den FC Barcelona sponsere, dann habe ich 80 Prozent der Spanier gegen mich“, sagte er auf der Automobilwoche Konferenz. Der Logik des Belgiers kann man folgen. Sie lässt sich aber auch brechen. Man sponsert einfach alle 64 Mannschaften im DFB-Pokal. Oder man nutzt die Bande im Stade de France, wie am vorletzten Sonntag beim Testspiel zwischen Frankreich und Belgien. Dort stand in großen Lettern „Volkswagen soutient les Bleus“. VW hat die Blauen unterstützt. Gesiegt haben die roten Belgier. Doch wer hat jetzt wirklich gewonnen? Womöglich Volkswagen. Ganz sicher aber die Menschen mit ihrer Liebe zum Fußball.
Klartext
Der Fußball ist der Sieger
VW-Chef Martin Winterkorn hat den Machtpoker mit Ferdinand Piëch gewonnen. Doch neben dem Konzernlenker profitiert auch der Fußball. Dieser lebt nämlich vom finanziellen Engagement der Wirtschaft.