Amsterdam. Sieben Leute sollen von A nach B fahren? Ein 2,70 Meter langer Karton muss transportiert werden? Es wird ein WLAN-Hotspot während der Fahrt benötigt und eine brauchbare Smartphone-Integration sowieso? Auf all diese Fragen hat der neue VW Touran die gleiche Antwort: Bitte sehr, damit kann ich dienen. Nach zwölf Jahren Bauzeit hat VW den Kompaktvan komplett neu und unter Verwendung des Modularen Querbaukastens (MQB) entwickelt. Ab Ende September wird das Auto bei den Händlern stehen – zum Einstiegspreis von 23.350 Euro.
Videoüberwachung inklusive
Äußerlich hat sich der Wagen kaum verändert, das Längenwachstum von 13 Zentimetern, von denen noch etwa sechs Zentimeter im Innenraum ankommen, fällt nur im direkten Vergleich mit dem Vorgängermodell auf. Dennoch stecken in dem Auto „70 Innovationen“, sagt Baureihenleiter Thomas Treptow. Dazu gehört die neue Sitzanlage mit fünf oder sieben Sitzen, die sich allesamt bündig einklappen und so eine ebene Ladefläche entstehen lassen. Oder neue Infotainmentsysteme mit einer Sprachverstärkung von vorn nach hinten (aber nicht umgekehrt). Oder eine automatisch öffnende Heckklappe, eine moderne Smartphone-Anbindung, überarbeitete Turbomotoren sowie das System „Cam Connect“. Damit lässt sich eine handelsübliche GoPro-Kamera ans Bordsystem koppeln und so etwa das Bild aus der dritten Sitzreihe, aus dem Kofferraum oder aus dem Pferdeanhänger auf den Touchscreen in der Armaturentafel übertragen – Videoüberwachung durch Fahrer und Beifahrer. All dies soll zusammen mit bis zu 47 Ablagen sowie – je nach Bestuhlung – 137 bis 1980 Liter Ladevolumen zur einer maximalen Familienfreundlichkeit beitragen.
1,9 Millionen Touran seit 2003
„MPV-Kunden sind speziell“, sagt Treptow. Sie wollen eine Art eierlegende Wollmilchsau auf Rädern, und das möglichst billig. Deshalb lässt VW den Basispreis des neuen Touran auf dem Niveau des Vorgängers. Doch wenn man auch nur ein paar der vielen neuen Extras nutzen möchte, schnappt die Aufpreisfalle zu und die Rechnung summiert sich rasch auf 30.000 oder 35.000 Euro. Als Motorisierungen stehen jeweils drei Benziner und drei Diesel zur Wahl, deren Leistungsspektrum von 110 bis 190 PS reicht. Die Getriebeauswahl beschränkt sich auf eine Sechsgang-Handschaltung und ein Siebengang-DSG. Eine Plug-in-Hybrid-Variante ist vorerst kein Thema. Man könne aber bei entsprechender Nachfrage reagieren, sagt eine VW-Sprecherin. Gebaut wird das Auto in Wolfsburg und in China – dort bald in einem komplett neuen Werk. Zuerst jedoch soll der Wagen seine starke Position unter den Kompaktvans verteidigen. Hierzulande ist der Touran unangefochten die Nummer eins im Segment, doch vor dem neuen BMW Zweier Active Tourer, das lässt sich aus den Gesprächen mit VW-Managern heraushören, herrscht gehöriger Respekt.