München. Laut BMW-Marketingmanager Uwe Dreher, verantwortlich für die Vermarktung des i3, will man eine besonders zeitgemäße Kundenklientel ansprechen. In der Werber-Sprache heißt das: „Die Mover und Shaker, die Early Adopter. Leute, die zeigen wollen, dass sie an der Spitze des Fortschritts marschieren.“ Doch auch die „Early Adopter“, die Trendsetter, müssen erst einmal vom Kauf eines i3 überzeugt werden – so wie mittelfristig der Durchschnittsverbraucher. Deshalb bietet BMW seinen Kunden zum E-Auto ein Rundum-sorglos- Dienstleistungspaket an. Das Produkt- und Service-Portfolio „360° Electric“ umfasst laut Hersteller die Bereiche Aufladen zu Hause, Aufladen an öffentlichen Ladestationen, Mobilitätssicherung sowie flexible Carsharing-Angebote. Die Submarke BMW i soll eben nicht nur Autos verkaufen, sondern Mobilität. Hintergrund sind umfangreiche Marktforschungen begleitend zur i3-Markteinführung. Dabei kam heraus, dass die eigentliche Herausforderung gar nicht die Entwicklung der neuen Elektrotechnologie darstellt, sondern die Vermarktung des Endprodukts. Die Entscheidung zum Beispiel für den Kauf eines neuen Apple-Produkts ist eben doch schneller gefällt als der Kaufvertrag für ein mindestens 34.950 Euro teures Elektroauto unterschrieben ist – selbst wenn das Auto mit dem Apple-typischen, cool klingenden „i“ im Produktnamen ausgestattet ist. „Bei den Kunden gibt es gewisse Unsicherheiten hinsichtlich der Elektromobilität“, sagt Marcus Krieg, Verantwortlicher bei BMW für „ 360° Electric“. „Die Themen Reichweite und Lademodalitäten beschäftigen unsere potenziellen Kunden sehr stark. Sie wollen zum Beispiel wissen, was passiert, wenn sie tatsächlich einmal mit leerem Akku am Straßenrand stehen. Auf solche Fragen haben wir Antworten entwickelt und sie in das Servicepaket „360 ° Electric“ übersetzt.“ So sollen Kunden mit eigener Garage oder privatem Stellplatz zu Hause eine „Wallbox“-Ladestation samt Installationsservice und Ökostromangebot erhalten. Zwar lässt sich der i3 an jeder herkömmlichen Haushaltssteckdose aufladen. Doch mit der speziellen Wandbox, die direkt neben dem Stellplatz installiert wird, soll es noch schneller und komfortabler gehen. Für das Laden unterwegs will BMW in Kooperation mit Parkhausbetreibern und Anbietern von Ladestationen den i-Käufern einen möglichst flächendeckenden und zuverlässigen Zugang zur öffentlichen Ladeinfrastruktur bieten. „Derzeit müsste man als Fahrer eines Elektroautos Verträge mit ungefähr 70 Ladesäulenbetreibern abschließen, um sein Fahrzeug in Deutschland flächendeckend aufladen zu können“, so Krieg. „Das ist natürlich absolut unrealistisch. Deshalb engagieren wir uns auch in einem entsprechenden Konsortium, das einen vereinheitlichten Zugang zu Ladesäulen zum Ziel hat, um diese Problematik von unseren Kunden fernzuhalten.“ Via Navigations gerät und Smartphone-App sollen dem i3-Fahrer für ihn verfügbare Ladestationen auf seiner Fahrtroute vorgeschlagen und möglichst auch bereits vorreserviert werden, damit der Ladeplatz zur gewünschten Zeit auch verfügbar ist. Dennoch gibt es nach wie vor Ressentiments gegenüber der Elektromobilität, vor allem hinsichtlich der Reichweite eines E-Fahrzeugs – und das nicht ohne Grund. Das Ladesäulen-Netzwerk ist derzeit noch sehr grobmaschig, vor allem im ländlichen Bereich und auch entlang der Autobahnen in Deutschland und dem restlichen Europa. Mit dem i3 kann man bei voll aufgeladener Batterie maximal 160 Kilometer weit fahren, mit Range Extender 250 bis 350 Kilometer. „Wir sind uns dieser Vorbehalte bewusst, obwohl sie in der Realität im Fahralltag meist gar nicht zum Tragen kommen“, so Krieg. Man habe 20 Millionen Testkilometer mit etwa 1000 Testkunden rund um den Globus absolviert. Dabei sei herausgekommen: „Die durchschnittliche Fahrstrecke pro Tag Sind 35 bis 40 Kilometer“, erklärt Krieg. „Somit relativieren sich die Themen Laden und Reichweite. Durchschnittlich haben unsere Pilotkunden ihr Auto zwei- bis dreimal pro Woche geladen. Das Aufladen lässt sich also sehr bequem in den Fahralltag integrieren.“
Das Rundum-sorglos-Paket
Für lange Geschäftsfahrten oder Urlaubsreisen ist der i3 dennoch nicht ideal. Deshalb legen die i3- Vermarkter ein besonderes Service- Element ins „360° Electric“- Paket – einen BMW-Ersatzwagen mit Verbrennungsmotor. Auch wenn die Münchner damit dem ganzheitlichen Null-Emissionen- Ansatz ihrer Elektrostrategie widersprechen – dem derzeitigen Entwicklungsstand von Batterie- und Ladetechnologie wird Tribut gezollt. So soll, je nach Markt, eine variable Zahl an frei verfügbaren Tagen in den Kauf- oder Leasingvertrag geschrieben werden, an denen ein Benziner von BMW genutzt werden kann. Doch auch wer sich ganz seinem E-BMW anvertraut, die Kapazität der Batterie aber falsch eingeschätzt hat, wird nicht allein am Straßenrand zurück gelassen. Gemäß dem Hersteller-Motto, dass man nicht nur „visionäre Fahrzeuge“, sondern „Mobilität“ verkaufe, soll in einem solchen Fall ein BMW-Servicemobil herbeieilen, um das liegen gebliebene Elektroauto entweder zur nächsten Ladestation abzuschleppen oder, besser noch, die schlappe Batterie direkt vor Ort nach zuladen.
Ein weiteres Mobilitätsextra für den i3ist denkbar – das E-Fahrrad im Kofferraum. Anlässlich der Eröffnung des weltweit ersten BMW i-Stores in der Londoner Park Lane – bei der auch das „360° Electric“-Paket vorgestellt wurde – präsentierten die Münchner Elektro-Pioniere auch ein sogenanntes i Pedelec. Das Elektro- Klappfahrrad sei laut BMW die „perfekte Ergänzung urbaner Mobilität“, zusammengefaltet passe es gleich in doppelter Ausführung in den i3-Kofferraum. Besonders praktisch: Eine leere Fahrradbatterie könnte dort dank eines Anschlusses an die Bordelektronik wieder aufgeladen werden. Eine Batterieladung des i Pedelec soll Für 25 bis 40 Kilometer reichen, der Ladevorgang dauere nur rund 1,5 Stunden. Einziger Nachteil der Elektroauto-Fahrrad-Kombination: Sie ist nur ein Konzept. Es sei noch nicht final entschieden, ob das i Pedelec in Serie gehen wird, heißt es dazu bei BMW. Neu ist das Verkaufsprinzip aller BMW i-Produkte und -Dienstleistungen. Dafür wurde ein „innovatives Mehr-Kanal-Modell“ ins Leben gerufen. Zusätzlich zum klassischen Händler sollen ein mobiler Außendienst, ein „Customer Interaction Center“ sowie der Kauf über das Internet angeboten werden. Ob BMW-Kunden, selbst die trendbewussten „Mover“, „Shaker“ und „Early Adopter“, sich ein mehrere Zehntausend Euro teures Produkt beim BMW-Vertreter an der Haustür oder übers Internet kaufen, wird sich zeigen. Auf jeden Fall müssen potenzielle i-Klienten zusehen, wo sie sich das weiß-blaue Elektroauto überhaupt erst einmal anschauen können. Denn zum Start werden nur rund zehn Prozent der europäischen Vertragshändler die BMW i-Modelle vertreiben. Sollten die Kunden den Händlern aber die Türen einrennen, könne jederzeit die „Ausdehnung auf weitere Vertriebspartner erfolgen“, heißt es bei BMW.