Phoenix. Vier Fahrzeuge hat das Unternehmen so schon in Serie gebracht: den Rallye-Fighter für Spaß und Sport in der Wüste, das Retro-Renn-Motorrad Racer, ein nostalgisches Mofa mit Elektrooder Benzin-Antrieb namens Cruiser und ein elektrisches Dreirad zum Driften, das als Verrado verkauft wird. Bislang gibt es Mini-Fabriken von Local Motors nur in Phoenix und in Las Vegas. „Aber in zehn Jahren wollen wir über 100 Microfactorys haben“, sagt Damien Declercq, der gerade in Berlin Local Motors Europe gründet und ein Viertel der Fabriken diesseits des Atlantiks sieht. „Darunter sicher eine ganze Reihe in Deutschland.“ Dort will Declercq auch Fahrzeuge für die europäischen Bedürfnisse produzieren. „Je nach Projekt kann das schon in weniger als einem Jahr losgehen“, sagt Declercq, der anfangs nur mit zweioder dreistelligen Produktionszahlen rechnet. „Doch in zehn Jahren sind wir hoffentlich längst in den Tausenden.“ Entwicklung und Bau dieser Fahrzeuge könnten sich künftig deutlich beschleunigen. Denn Local Motors will sich unabhängig machen von teuren Formen und riesigen Werkzeugen und seine Produkte künftig aus dem 3-D-Drucker laufen lassen. „Damit reduzieren wir dramatisch den Fertigungsaufwand in Zeit und Geld“, sagt Projektleiterin Allegra West. Dass diese Überlegungen keine Hirngespinste sind, hat sie gerade erst bewiesen: Auf der Fachmesse IMTS in Chicago hat Local Motors das weltweite erste Auto mit dem 3-D-Drucker produziert – den Strati, einen offenen Roadster mit der Technik des Renault Twizy. Weil die Karosserie nur noch aus fünf und der Rest des Autos aus nicht einmal 50 Teilen besteht, war das eine schnelle Sache, sagt Community-Manager Nyko de Peyer: „44 Stunden drucken, 15 Stunden CNC-Fräsen und zwei Tage Montage“, hat er protokolliert. Jetzt beginnen Materialstudien, Probefahrten und bald die ersten Crashtests. Denn es soll nicht beim Einzelstück bleiben, sagt die Projektleiterin: Local Motors- Chef Rogers will den Strati in einem Jahr im Handel sehen – in gleich mehreren Varianten für Preise zwischen 18.000 und 34.000 Dollar. Zwar hält West dieses Ziel selbst für etwas ambitioniert. Aber sie weiß, dass sie an einer Revolution arbeitet: „Wenn dieses Beispiel Schule macht, werden Detroit & Co. in ihren Grundfesten erschüttert.“
Local Motors
Das Netzwerk-Auto aus dem 3-D-Drucker
Sie „liken“ sich auf Facebook, sind vernetzt bei Xing oder LinkedIn. Wo andere noch telefonieren, sind sie längst am Twittern – und jetzt bauen sie auch noch Autos. Denn genau so wie die sozialen Netzwerke hat John Rogers seine Firma Local Motors organisiert: als digitale Community, in der sieben Jahre nach dem Start mittlerweile mehr als 45.000 Entwickler, Designer, Ingenieure oder einfach nur Autofans aus mehr als 130 Ländern gemeinsam an neuen Fahrzeugprojekten arbeiten. Local Motors selbst braucht deshalb nur etwa 100 Angestellte, die als Community- Manager die Gemeinschaft organisieren, Projekte auswählen und vorantreiben und die Ideen dann in einer sogenannten Microfactory umsetzen, erläutert Nick Freytag aus dem Marketing-Team am Stammsitz in Phoenix. Außerdem organisieren sie den Vertrieb und schütten als Vergütung für die Erfinder Lizenzgebühren für jedes verkaufte Fahrzeug aus.