Ludwigsburg. "Grundsätzlich war die Botschaft, dass das Produkt noch unter den Lebenden ist“, sagt Caracciolo. Schließlich hat man es aus der Insolvenzmasse der ehemaligen IMG gekauft. Einen Abschluss mit einem neuen Kunden habe es bisher noch nicht gegeben, dennoch liege man im Plan. Man habe das Programm, das früher mehrere Millionen Euro gekostet habe, für einen größeren sechsstelligen Betrag bekommen. "Wir müssen nicht 100 verkaufen, um zu überleben.“ Stattdessen liegt das Ziel bei einem Vertrag im laufenden Jahr und künftig ein bis drei Installationen pro Jahr. Zudem gibt es schon zwei Bestandskunden: die Fahrzeug-Werke Lueg und das Autohaus Bald. Letzteres arbeitet zwar mit einer Vorversion von Carbon, eine Aktualisierung sei aber im Gespräch. Derzeit habe man 1000 registrierte Nutzer, sagt Caracciolo. Wenn man auf 3000 komme, mache es finanziell "richtig Spaß“. Der Preis von unter 100 Euro pro Nutzer und Monat sei ein Stück weit auch als Kampfpreis auf ein erwartetes Volumen hin berechnet.
Das ganze Autohaus mit einem Programm im Griff
MHP bietet Carbon in zwei Versionen an. Als Full-Service-Paket, inklusive Schulung, Betreuung und Hosting, oder klassisch als Software. Letzteres steht Kunden aller Marken zur Verfügung, Ersteres gibt es derzeit nur für Mercedes-Benz-Häuser. Dabei kooperiert MHP mit Lueg. Die Handelsgruppe übernimmt Schulung, Service und Hosting für die Full- Service-Kunden. Zum einen habe Lueg bereits Erfahrung mit der Anwendung des Programms, sagt Caracciolo, zum anderen habe man beim Training von Händler zu Händler den Vorteil, dass beide Seiten dieselbe Sprache sprechen. Bei Lueg arbeitet man sein Anfang 2010 mit Carbon und ist sehr zufrieden, wie Vorstandsmitglied Jörg Scharwald sagt. Als Vorteile sieht er unter anderem, dass Carbon bereichsübergreifend für alle Standorte und Marken Informationen zur Verfügung stellt. „Wenn ein Kunde kommt, sehe ich sofort, dass er kürzlich an einem anderen Standort war“, sagt Scharwald. Zudem sei es möglich, eine Vielzahl von Daten nach verschiedensten Kriterien auszuwerten – vom Cashflow bis zur Produktivität eines einzelnen Angestellten. Und dadurch, dass Schnittstellen zu externen Anbietern oder Herstellern möglich sind und es keine Brüche zwischen verschiedenen Programmen gebe, spare man Arbeitszeit, weil Daten nicht mehrfach eingegeben werden müssen. Daneben ermögliche Carbon eine schnelle Abrechnung und stringentes Forderungsmanagement. So habe man die Außenstände um 60 Prozent reduziert, sagt Scharwald. Insgesamt sei alles transparenter und schneller geworden.
Seit Einführung des Programms wurde der Umsatz um 20 Prozent gesteigert, die Zahl der Mitarbeiter sank um 50. Dieser Effizienzgewinn sei aber nicht nur dem Programm zu verdanken. MHP verspricht künftigen Kunden, die ersten Bereiche bei einem Einstieg binnen drei bis fünf Monaten zum Laufen zu bringen. „Wir können in sechs Wochen 200 bis 300 Leute schulen“, sagt Caracciolo. Im Handel sieht er eine gewisse Tendenz, bei der IT am Althergebrachten festzuhalten. Bei vielen Betrieben sei der Leidensdruck noch nicht groß genug für einen Umstieg. Dabei müssten die Händler aber bedenken: Viele innovative Dinge könne man mit einer 30 Jahre alten Software nicht mehr machen. Und auch wenn sich so mancher die alten Systeme schönrechne: Billig seien sie keineswegs.