Hamburg. DaimlerChrysler arbeitet mit Hochdruck an der nächsten Generation von Brennstoffzellenfahrzeugen. Eine neue Versuchsflotte auf Basis der B-Klasse wird voraussichtlich 2009 auf den Markt kommen. "Dabei werden wir erstmals das Brennstoffzellen-System aus dem Pkw auch in Transportern und Bussen verwenden können", sagt Walter Rau, der bei DaimlerChrysler die Entwicklung des Antriebsstrangs bei Brennstoffzellen-Bussen und -Transportern verantwortet. Der Konzern erreiche damit höhere Stückzahlen und bessere Forschungsergebnisse. Daneben spare Daimler Entwicklungskosten "im ein- bis zweistelligen Millionenbereich" und reduziere die Komplexität der Entwicklung.
Daimler senkt Kosten für Brennstoffzelle
DaimlerChrysler hält an dem Ziel fest, den Brennstoffzellenantrieb, bei dem der Strom für einen Elektromotor emissionsfrei aus Wasserstoff erzeugt wird, zwischen 2012 und 2015 zur Marktreife zu führen. "Wir reden hier von einer Grössenordnung von rund 1000 Einheiten im Jahr", erklärt DaimlerChrysler-Entwicklungschef Thomas Weber. Richtige Skaleneffekte würden sich allerdings erst später einstellen, "bei 50.000 bis 100.000 Einheiten pro Jahr". Der gesamte Markt für Brennstoffzellenfahrzeuge werde im Jahr 2015 bei rund 100.o00 Fahrzeugen liegen, prognostiziert Herbert Kohler, Umweltbevollmächtigter des Konzerns. Derzeit verfügt DaimlerChrysler über eine Flotte von mehr als 100 Versuchsfahrzeugen mit Brennstoffzellenantrieb -- darunter 60 F-Cell-Fahrzeuge auf Basis der A-Klasse, drei Transporter der Sprinter-Klasse und 36 Citaro-Stadtbusse. Das erste Brennstoffzellenfahrzeug namens Necar 1 hatte Daimler 1994 vorgestellt. "Seitdem haben wir rund eine Milliarde Euro in diese Forschung investiert", sagt Weber.
Die B-Klasse-F-Cell-Fahrzeuge, die die aktuelle A-Klasse-Flotte ersetzen werden, sollen wesentliche Elemente des Forschungsfahrzeugs F 600 HyGenius übernehmen, das im Oktober 2005 seine Weltpremiere feierte. Die Verbesserungen: 30 Prozent mehr Leistung, um 40 Prozent kleinere Brennstoffzellen-Stapel und ein um 16 Prozent niedrigerer Verbrauch. Die Reichweite soll von 150 auf 400 Kilometer steigen.
In der Serie werde die Lebensdauer des Brennstoffzellen-Pkw bei mindestens 4000 Betriebsstunden liegen. "Heute haben wir bereits die Hälfte dieses Ziels erreicht", sagt Christian Mohrdieck, Leiter der Brennstoffzellenantrieb-Entwicklung. Die Kosten sollen dann höchstens zehn Prozent über denen eines konventionellen Antriebs mit vergleichbarer Leistung liegen. "Heute sind wir noch zehn- bis zwanzigmal so teuer", gesteht Mohrdieck.
Wer macht was?
- General Motors:
Start der Forschung: 1997 Investitionen (seit 1997): über eine Milliarde Dollar
Aktuelle Modelle: rund 15 HydroGen 3 (dritte Generation im Opel Zafira), ein HyWire, ein Chevrolet-Pick-up bei der US-Armee
Kooperationspartner:
Suzuki
- Toyota:
Start der Forschung: 1996 Investitionen: keine Angabe
Aktuelle Modelle: 23 Toyota FCHV in den USA und Japan sowie drei Toyota Hino FCHV-Busse in Japan
Kooperationen: keine
- Honda:
Start der Forschung: 1992 Investitionen: keine Angabe
Aktuelle Modelle: 23 FCX-V4 in den USA und Japan
Kooperationspartner: bis zum Jahr 2003 Ballard
Neben diesen finanziellen und technologischen Herausforderungen bleiben zwei weitere grosse Hürden auf dem Weg ins Wasserstoffzeitalter: die regenerative Herstellung des Wasserstoffs sowie seine Distribution.