Berlin. Dass die Abweichung im Laufe der Zeit immer größer wurde, erklärt das ICCT unter anderem mit dem Einsatz von Spritspartechnologien, die im Labor mehr bewirkten als in der Realität, und der Ausnutzung von Toleranzbereichen des in Europa vorgeschriebenen Testverfahrens NEFZ. Dieses ist schon länger in der Kritik. Auch der ADAC stellt bei seinen Messungen nach einem selbst entwickelten Prüfverfahren regelmäßig deutliche Abweichungen zum NEFZ fest. Der sei für deutsche Fahrprofile „weniger passend“. Insgesamt fallen die Abweichungen, die der Verkehrsclub misst, allerdings ein gutes Stück geringer aus als beim ICCT. Am deutlichsten sind sie mit 25 Prozent bei Hybridantrieben, die am stärksten vom NEFZ profitieren. Bei Dieselfahrzeugen sind es 14 Prozent, bei Benzinern zehn. Der Club fordert deswegen – wie auch das ICCT – eine zügige Einführung der neuen Testprozedur WLTP. „Auch sie wird das reale Fahrverhalten nicht exakt abbilden können“, sagt Mock. „Aber dennoch ist das neue Testverfahren ein wichtiger Schritt, um die zunehmende Abweichung der realen zu den veröffentlichen Kraftstoffverbräuchen zu korrigieren und die Effizienz zukünftiger Fahrzeuge zu steigern.“ Die EU will den WLTP ab 2017 einführen. Die jetzt veröffentlichen Zahlen beruhen laut ICCT auf den Verbräuchen von mehr als einer halben Million Autos in Deutschland. Unter anderem wurden Nutzereingaben von Seiten wie Spritmonitor. de und Daten von Leasingfirmen wie LeasePlan ausgewertet.
ICCT kritisiert
CO2-Einsparung oft nur auf dem Papier
Die Diskrepanz zwischen den offiziellen Verbrauchsangaben der Hersteller und dem von Autofahrern erlebten Durst ihrer Fahrzeuge nimmt immer weiter zu. Das International Council on Clean Transportation (ICCT) hat errechnet, dass der Unterschied bei neuen Pkw inzwischen mehr als ein Drittel beträgt. Vor zwei Jahren waren es erst 25 Prozent, 2001 sogar nur acht Prozent. „Sämtliche uns vorliegenden Datenquellen bestätigen, dass die Lücke zwischen dem von Herstellern veröffentlichten Kraftstoffverbrauch und dem tatsächlich vom Kunden festgestellten Verbrauch seit Jahren zunimmt“, sagt Peter Mock, Geschäftsführer von ICCT in Europa. Die Organisation geht auf Basis ihrer Zahlen zudem davon aus, dass etwa die Hälfte der offiziell bisher erreichten CO2-Einsparungen für neue Pkw nur auf dem Papier existiert und in der Realität nicht zu beobachten ist.