München. Das Werk im Industriepark i54 South Staffordshire soll noch in diesem Jahr den Testbetrieb aufnehmen. Die ersten Motoren laufen Anfang 2015 vom Band. Im Endausbau soll dort alle 36 Sekunden ein Vierzylinder entstehen. Die technische Neuerung liegt im Wechsel von Transferstraßen zur Fertigung mit CNC-Maschinen. Aus Kostengründen entstehen Motoren in hohen Stückzahlen bislang in der Regel in Transferstraßen, die allerdings wenig Flexibilität bei den Produkten erlauben. Doch CNC-Maschinen sind in den vergangenen Jahren so billig geworden, dass sie nun in der Volumenfertigung mithalten können. Zudem bieten sie mehr Flexibilität als herkömmliche Transferstraßen. Technikvorstand Wolfgang Ziebart betont: „Das neue Jaguar Land Rover Engine Manufacturing Centre verfügt über die neuesten CNC-Maschinen-Technologien. Die CNC-Maschinen geben uns die Flexibilität, um Diesel- und Benzinmotoren gleichzeitig in derselben Fertigung zu produzieren.“ Die unterschiedlichen Aggregate können flexibel und in den verschiedensten Mengenverhältnissen produziert werden. Entstehen werden dort „die modernsten Motoren in der Geschichte des Unternehmens“, wie Mike Wright, Executive Director Jaguar Land Rover, betont. Die im hauseigenen Entwicklungscenter Whitley entwickelten Vierzylinder können Drehmomente von bis zu 300 Newtonmeter erzielen und Kohlendioxid-Emissionen von unter 100 Gramm pro Kilometer erreichen. Mit dem umgerechnet 609 Millionen Euro teuren Werk, das fast 1400 Mitarbeiter beschäftigen wird, holt Jaguar Land Rover die Motorenfertigung wieder in räumliche Nähe zur Fahrzeugproduktion. Denn das brandneue Werk liegt in direkter Nachbarschaft zu den Jaguar Land Rover- Produktionswerken Castle Bromwich, Solihull und Halewood – und damit aus logistischer Sicht sehr günstig. Auch das globale Entwicklungs- und Designcenter von Jaguar Land Rover in Whitley sowie das Engineering- und Testzentrum Gaydon sind nur wenige Autominuten entfernt. Während Automatisierung mit Augenmaß für effiziente Fertigung unabdingbar ist, kann Automatisierungseuphorie auch zu Enttäuschungen führen. Ron Harbour, Partner Global Automotive Manufacturing bei Oliver Wyman, gibt zu bedenken: „Um die Effizienz ihrer Werke zu steigern, rüsten viele Unternehmen auf moderne Technologien um, überschätzen dabei aber häufig den wahren Nutzen.“ Das Ergebnis seien nicht selten komplexere und teurere Prozesse, die zu höheren Kosten ohne zusätzlichen Umsatz führten. Harbour betont: „Bei der Entscheidung sollte es vielmehr darum gehen, die richtige Balance zwischen menschlicher Arbeit und dem Einsatz von Automatisierungstechnologie zu finden.“ Im Bestreben, technische Lösungen für Fertigungsaufgaben zu finden, überschätzten manche Hersteller den Return on Investment. Harbour: „Möglicherweise stehen sie am Ende vor teuren und komplexen Anlagen mit umfangreicher Software, deren Betrieb teurer ist als ein von Menschen gesteuerter Prozess.“ Innovationen seien enorm wichtig für den Unternehmenserfolg. „Aber letztlich sollten die Entscheider nicht nur den Ideen ihrer Ingenieure folgen, sondern sich daran orientieren, was den Kunden Nutzen bringt.“
Jaguar Land Rover vollzieht Schwenk in der Produktionsphilosophie
CNC-Maschinen läuten Revolution ein
Bei der Motorenfertigung verfolgt Jaguar Land Rover eine modernere Produktionsphilosophie. In dem neuen Aggregatewerk, das gerade in den britischen Midlands errichtet wird, produziert der Hersteller zum ersten Mal große Volumen mit flexiblen, computergesteuerten Werkzeugmaschinen (CNC).