Berlin. Das Rennen um das iCar wird nicht allein im Silicon Valley entschieden. Auch chinesische IT-Konzerne und Internetunternehmen arbeiten mit Hochdruck am vernetzten Auto. Laut Mirjam Meissner vom auf China-Studien spezialisierten Institut Merics in Berlin wurde spätestens auf der Computer Electronics Show (CES) in Schanghai deutlich, dass für Unternehmen wie Baidu, Alibaba und Tencent das Fahrzeug ganz weit oben auf der Liste der Digitalisierung steht.
Dabei geht es den so genannten BAT-Unternehmen laut Meissner längst nicht mehr alleine um die Nutzung ihrer Infotainment-Applikationen im Fahrzeug, für die sie zahlreiche Partnerschaften mit nationalen und internationalen Autoherstellern eingegangen sind.
Analog zu Apple und Google entwickeln die sogenannten BAT-Unternehmen inzwischen eigene Infotainment-Plattformen wie die Lubao Box oder CarLife, die bereits in den ersten Serienfahrzeugen Einzug gehalten haben. „Und das ist nur ein kleiner Teil der vielfältigen Bemühungen chinesischer Unternehmen, Fahrzeuge stärker zu vernetzen und ein „Internet der Autos“ aufzubauen“, sagt Meissner.
Dass sie dabei möglicherweise schneller vorankommen als die Amerikaner, liegt für die Merics-Analysten nicht nur an der Beweglichkeit der BAT-Unternehmen und ihrer Dominanz auf dem riesigen, relativ abgeschotteten Heimatmarkt. „In China gibt es zudem Rückendeckung durch die Regierung“, sagt Meissner. Weil Peking die eigene Industrie stärken und zugleich mit vernetzten Autos den drohenden Verkehrskollaps vermeiden will, werde die Entwicklung stark gefördert. „Da werden in kurzer Zeit über Branchengrenzen hinweg Allianzen angebahnt, die sich im Silicon Valley nur sehr viel langsamer entwickeln“, so die Expertin.
Der Staat beansprucht dabei ganz selbstverständlich alle erhobenen Verkehrs- und Telekommunikationsdaten als sein Eigentum. „Eine Diskussion über Datenschutz, wie sie etwa in Deutschland geführt wird, gibt es in China nicht.“ Autohersteller, die bei der chinesischen iCar-Offensive mitmischen wollen, dürfte das in Zukunft vor die Entscheidung stellen, ob sie bereit sind, ihre eigenen Prinzipien zum Datenschutz im Tausch gegen Marktanteile aufzugeben, so Meissner.
Während sich die Autokäufer zurücklehnen, diesen Wettlauf beobachten und am Ende beim Sieger kaufen können, seinen die Autohersteller deshalb gut beraten, sich im Osten wie im Westen zu engagieren und in die Projekte einzubringen, ist Meissner überzeugt: „Denn ob das Rennen um das iCar im Silicon Valley oder an der Seidenstraße gewonnen wird, ist noch lange nicht ausgemacht.“