München. So selten und begehrt waren Seltene Erden noch nie: Die metallischen Rohstoffe – sie sind unter anderem für die Herstellung von Elektro- und Hybridautos unverzichtbar – werden derzeit fast ausschließlich in China gefördert. Die Nachfrage wächst. Und gleichzeitig gibt es Anzeichen, dass das Reich der Mitte den Export bewusst beschränkt. Seltene Erden (englisch: „Rare Earth Elements“, REE) sind eine Gruppe von chemischen Elementen. Eingesetzt werden sie traditionell zum Färben von industriellen Gläsern oder bei der Herstellung von Katalysatoren für Raffinerien. Sie verbessern aber auch den Wirkungsgrad von Abgaskatalysatoren für Automobile, wo sie unter anderem die Oxidation von Schadstoffen beschleunigen.
Noch größere Relevanz erhalten die Seltenen Erden durch den massiven Trend zum Elektro- und Hybridantrieb. Die hierfür nötigen Elektromotoren verwenden leistungsfähige Magnete aus einer Neodym-Eisen-Bor-Legierung (NdFeB). Auch zur Herstellung von Nickel-Metallhydrid-Batterien, wie sie zum Beispiel alle Hybridfahrzeuge von Toyota verwenden, ist die Seltene Erde Lanthan unverzichtbar. Die Unternehmensberatung Roland Berger prognostiziert für Europa bis 2020 einen Marktanteil der Hybrid- und Elektrofahrzeuge von 25 Prozent. Bei Mercedes soll bis 2015 in jedem fünften Fahrzeug ein Verbrennungs- mit einem Elektromotor kombiniert werden. Dazu kommt eine Flotte von voll elektrifizierten Stadtfahrzeugen.
Als die ersten Seltenen Erden vor über 200 Jahren entdeckt wurden, hielt man diese Elemente für extrem selten – daher der Name. Tatsächlich jedoch machen sie fast 25 Prozent aller Metalle in der Erdkruste aus. Dennoch sind die Minerale, in denen sie natürlich konzentriert sind, selten. Daher ist es schwer, große, ökonomisch abbaubare Lagerstätten zu finden. Zu den Seltenen Erden gehören Lanthan, Cer, Praseodym, Neodym, Promethium, Samarium, Europium, Gadolinium, Terbium, Dysprosium, Holmium, Erbium, Thulium, Ytterbium und Lutetium. Hinzugezählt werden auch Yttrium, Scandium und Thorium.