Hannover. Für schwere und mittelschwere Trucks prognostiziert A.T. Kearney bis 2020 ein jährliches Stückzahlwachstum von fünf Prozent. Der größte Einzelmarkt China soll um 4,0 Prozent pro Jahr zulegen. Der Umsatz könnte sogar noch stärker steigen, weil dort immer hochwertigere Fahrzeuge gekauft werden. Bei leichten Nutzfahrzeugen geht PwC Autofacts in Europa 2014 von plus 7,8 Prozent aus. Analyst Christoph Stürmer zufolge hat sich „in den Jahren der Krise ein Nachholbedarf angestaut“. Für die nächsten beiden Jahre rechnet Stürmer mit erst sieben, dann sechs Prozent Zuwachs. Auf der IAA werden Hersteller und Verbände an die Politik appellieren, es bei Euro 6 bewenden zu lassen. Mit dieser Norm seien die betreffenden Emissionen seit der Einführung von Grenzwerten schon um 95 bis 97 Prozent gesunken. Nun müssten die Ressourcen auf die CO2-Reduzierung konzentriert werden. Grenzwerte dafür seien unnötig, da die Kunden ohnehin extrem an niedrigem Verbrauch interessiert seien. Je nach Quelle und Einsatzszenario wird der Anteil des Kraftstoffs an den Gesamtkosten mittelschwerer und schwerer Lkw zwischen 39 und 71 Prozent taxiert.
Chancen dank Acker und Bau
Daimlers Lkw-Chef Wolfgang Bernhard erwartet hier Detailarbeit in allen Bereichen, die mit dem Fahrzeug zusammenhängen: Zugmaschine, Anhänger, Reifen, Kraftstoff, Betrieb und Infrastruktur. Auch der Ersatz alter durch neue Fahrzeuge bringe deutliche Verbesserungen. Neben Effizienz ist Vernetzung ein zentrales Thema der Branche. Beim Nutzfahrzeug stehen hier die Effizienzpotenziale durch besseres Flottenmanagement und etwa durch vorausschauende Antriebsstrangsteuerung im Vordergrund. ZF-Vorstand Michael Hankel spricht schon von „rollenden Robotern“. Daimler macht auch autonomes Fahren zum Thema. Um am Wachstum teilzuhaben, müssen Hersteller wohl ihre Strategien anpassen. Fords Deutschland- Chef Bernhard Mattes sagt, für die leichten Nutzfahrzeuge sei ein „differenzierteres und größeres Angebot“ mit mehr für den konkreten Einsatzweck maßgeschneiderten Varianten erforderlich. Bei Herstellern mittelschwerer und schwerer Nutzfahrzeuge erwartet A. T. Kearney- Partner Götz O. Klink eine Verschiebung der Schwerpunkte: Dort werde der „Off-Highway“- Bereich immer wichtiger. Getrieben werde dieser Markt weltweit durch den Bedarf an Baufahrzeugen, um Wohnraum zu schaffen, und an landwirtschaftlichen Maschinen, um die Ernährung zu sichern.