Bonn. Der Reifenfachhandel ist auf der Suche nach einer Antwort auf die Herausforderungen den boomenden Internetvertriebs. Erst kürzlich hatte eine Erhebung von TNS Infratest ergeben, dass in den vergangenen zwei Jahren in Deutschland 3,5 Millionen Personen Reifen oder Felgen online gekauft haben. Und sowohl die Marktforscher wie auch der Verband der Reifenhändler (BRV) gehen von weiter steigenden Zahlen aus.
Portale mit großen Werbebudgets wie Tirendo trieben den Markt an, sagt der BRV-Vorsitzende Peter Hülzer. Er sieht die Entwicklung mit Sorge. Die rund fünf Prozent Online-Anteil im Privatkundenbereich, von denen bisher ausgegangen wurde, träfen nicht mehr zu. "Ich glaube, es geht Richtung zehn Prozent", sagt Hülzer. Dem klassischen Reifenfachhandel gehe dadurch nicht nur Umsatz im reinen Verkauf verloren. Auch die Montage der im Internet bestellten Reifen laufe oft an den Betrieben vorbei, so dass auch im Servicebereich Einnahmen verloren gingen. Den Handel trifft dies nach einem schwachen Jahr 2012 besonders hart.BRV sucht Antworten auf Internet-Boom
Immer mehr Reifen werden über das Netz verkauft. Der Handel will sich dieser Herausforderung stellen.
Jeden Monat ein neuer Anbieter
Und das Problem verschärft sich. Es vergehe kein Monat, in dem nicht irgendwo ein neues Internetangebot für Reifen entstehe, sagt Hülzer. Durch das breite Angebot entstehe eine hohe Preistransparenz und viele Verbraucher interessierten sich eben primär für den Preis, gerade im Internet.
Noch habe man keine passende Antwort auf das Problem, sagt Hülzer. Doch im Februar soll beim Verband ein prominent besetzter "Zukunftsarbeitskreis Reifenhandel 2020" starten, der sich auch der Herausforderung der Konkurrenz aus dem Netz annehmen wird. Ein möglicher Ansatz könnte ein eigenes Branchenportal sein, sagt Hülzer. Es müsste aber mit ausreichenden Mitteln ausgerüstet werden, um im Marketingbereich mit den großen und aktiven Portalen mithalten zu können.