München. Die Prognosen sind schlecht: Egal welches der Szenarien man aus der aktuelle Studie Reifenfachhandel 2020 wählt: Die Marktanteile der im BRV organisierten Betriebe gehen nach unten. Zwischen 34 und 37 Prozent werden sie im Jahr 2020 betragen, wenn es dem Reifenhandel nicht gelingt gegenzusteuern. Noch zu Beginn des Jahrtausends waren es 56 Prozent. Die Gewinner seither heißen Autohaus/Freie Werkstatt und Onlinevertrieb und für sie sehen auch die Prognosen ein Wachstum der Marktanteile.
Hintergrund der Verschiebung ist unter anderem, dass viele Autohäuser das Thema Reifen verstärkt angehen – unter anderem um ihre eigene Werkstattauslastung zu verbessern. In diesem Zusammenhang werden die Reifen oft als Teil von Komplettangeboten verkauft. Auch die ersten Winterreifen werden inzwischen immer häufiger bereits mit dem Neuwagen erworben und damit im Autohaus. Verschärft wird die Situation dadurch, dass auch der zu verteilende Kuchen schrumpft. Die Preise sind unter Druck, die jährliche Fahrleistung sinkt, die Reifen halten länger und der Pkw-Bestand steigt nur minimal.BRV bläst zum Kampf gegen den Abstieg
Soweit die schonungslose Analyse, die der BRV angestellt hat. Zu ihr passen auch aktuelle Zahlen aus dem laufenden Jahr. Laut Branchenkreisen liegt der Verkauf bei Pkw-Reifen bisher um elf Prozent unter Vorjahr. Die Konsequenz aus der schwierigen Situation formuliert der Vorsitzende des Verbands Peter Hülzer: "Wir dürfen nicht noch weiter an Terrain verlieren. Wir müssen jetzt kämpfen", sagt er. Der Fachhandel müsse kontern.
In der 119 Seiten umfassenden Studie, die das Ergebnis eines Anfangs des Jahres einberufenen Arbeitskreises ist, gibt es dazu eine ganze Reihe von Vorschlägen. Darunter sind erwartbare wie, darauf zu achten, dass der Betrieb ordentlich und sauber ist, Kundendaten zu sammeln und zu pflegen, die Internetpräsenz zu verbessern oder der, die eigene Kompetenz herauszustellen.Gerade bei Themen wie RDKS könne sich der Fachhandel als Spezialist abgrenzen. Es gibt aber auch überraschenderes, wie die Empfehlung, am Kundenstrom der Online-Portale zu "fischen": "Lassen Sie Emotionen aus dem Spiel. Onlineportale haben Nachteile, bieten aber auch Chancen. Nutzen Sie diese, bevor andere es tun." Auf der anderen Seite rät der Arbeitskreis aber auch dazu, die eigenen Preise "mit Zähnen und Klauen" zu verteidigen lieber Zugaben wie eine Wagenwäsche zu machen oder Preise für unbeachtete Kleinteile anzuheben.
Zudem rät der BRV den Reifenfachhändlern, stärker auf Werkstattleistungen zu setzen. "Heuern Sie einen Kfz-Meister mit Reifenaffinität und guten Führungseigenschaften an", lautet einer der Vorschläge. Andere raten, Service für kleine Flotten anzubieten oder sich Kooperationspartner im Umfeld zu suchen. Ziel sei es dabei, sowohl das Reifenservice- als auch das Autoservicegeschäft zu steigern.