Der wohl berühmteste Debattierclub der Welt, die Oxford Union, liegt nur einen Steinwurf entfernt von vielen Colleges. David -Cameron und Boris Johnson, die beiden Anführer in der Brexit-Debatte, haben hier schon als Studenten für ihre politische Karriere geübt. Hier konnte man Anfang der 90er-Jahre die mit ähnlicher Vehemenz geführten Euro-Diskussionen erleben. Vom Sexy Pound war die Rede und vom Funny Money. Schließlich haben sich die Briten dann gegen den Euro entschieden, gegen das Funny Money. Und wenn sie von Europe sprechen, dann meinen sie damals wie heute nur das Festland auf der anderen Seite des Ärmelkanals.
All dies verstärkt die Angst bei vielen Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, dass der britische Daumen sich nach unten senken könnte. Seit Monaten zählen sie die wirtschaftlichen Nachteile eines Brexits für die Briten auf. IWF-Chefin Christine Lagarde warnt vor möglichen sehr, sehr schlimmen Auswirkungen für das Inselreich. BMW empfiehlt seinen Mitarbeitern bei Rolls-Royce und Mini sogar, das Kreuzchen am 23. Juni an der richtigen Stelle zu machen, im Interesse der eigenen Jobs. Das zeigt nur, wie vernetzt die Märkte heute sind, wie wichtig der freie Zugang zu Kunden und Lieferanten für die Autobranche geworden ist.
Aber vergessen wir nicht, dass die meisten dieser Brexit-Berechnungen von den gleichen Ökonomen stammen, die für Griechenland einen wirtschaftlichen Aufschwung vorhersagten. Und wie wir wissen, haben britische Premiers in Brüssel schon immer gut verhandelt. Da ist eseher unwahrscheinlich, dass sich bei einem EU-Austritt der Briten die Handelsbestimmungen groß verändern werden. Ganz anders wäre es, wenn die Katalanen Spanien und damit auch der EU den Rücken kehrten. Da gäbe es inBrüssel wohl eher keine Sonderregelung. Das weiß man bei Seat, und deshalb haben sie in Martorell einen Plan B in der Schublade. Der lautet Umzug nach Pamplona – um den kleinen Gewinn und die Arbeitsplätze hinüber ins gemeinsame Europa zu retten.