Stuttgart. Bei Bosch stecken die Innovationen aus dem Automobilbereich demnächst in vielen anderen Produkten des Hauses: in Heiz- und Industrieanlagen ebenso wie in Hausgeräten oder in der Sicherheitstechnik. So werden Heizkessel sauber durch Einspritzventile und Lambda-Sonden gesteuert, wie überhaupt die Sensorik und Software, die aus der Fahrzeugtechnik stammt, quer durch Boschs gesamte Produkt- und Servicepalette eingesetzt werden wird.
Und das verbindende Netz zwischen Auto und Haus oder zwischen Motor und Kraftwerk ist nach den Worten von Konzernchef Volkmar Denner stets das Internet: "Es ist das Internet der Dinge und Dienste, das so genannte Web 3.0, mit dem das Leben kommender Generationen sicherer, effizienter und einfacher wird“, prophezeit der Manager. Bosch sei für diese Aufgabe prädestiniert wegen seines Know-hows in der Hardware ebenso wie durch seine Entwicklungen in der Sensorik und Software. Aus der Vernetzung verschiedener Systeme übers Internet gingen "bisher nicht dagewesene Anwendungen und Services hervor“.Folglich müsste der jüngst beschlossene Abschied von der kristallinen Photovoltaik nicht das Ende des Engagements in dieser energiesparenden Alternativtechnik bedeuten. Denn durch internetfähige Techniken und durch die Applikation automobiler Systeme auf das gesamte Angebotsspektrum könnte Bosch eines Tages wieder unmittelbar in der Solartechnik aktiv werden. Denner: "Unser Portfolio hat gemeinsame Nenner, und in zunehmendem Maße kombinieren wir unsere Kompetenzen, selbst zwischen scheinbar so weit entfernten Domänen wie Kraftfahrzeug- und Gebäudetechnik.“ Insofern bedeute auch der Ausstieg keine Abkehr von der bisherigen Unternehmensstrategie: "Die Berücksichtigung ökologischer Belange bleibt ein wichtiger Eckpfeiler. Gerade für die Energieeffizienz ist unser Produktspektrum außerordentlich breit.“Eine Schlüsselrolle in dieser Vernetzung spielt neben der Software der Fortschritt in der winzigen Mikromechanik. Diese Elektronik ist ein elementarer Teil des Internets. Schon jetzt fertigt Bosch eine halbe Milliarde Mikrochips und ist hier weltweit größter Anbieter für die Automobilbranche sowie Nummer Zwei für die Konsumgüterindustrie.Bosch vernetzt Autotechnik mit allen Konzernprodukten
Der Zulieferer Bosch hält trotz seines Ausstiegs aus der Photovoltaik an dem Plan fest, unabhängiger von der Autobranche zu werden. Dazu sollen Produkte aus der Kfz-Sparte auch in andere Geräte des Konzerns eingebaut werden.
Schwaches Wachstum erwartet
Das Angebot an Spezialsensoren, Steuergeräten und Prozessoren soll kräftig ausgebaut werden. Bernd Bohr, der für das Fahrzeuggeschäft zuständige Manager, hebt für die Zukunft aktuelle Anwendungsgebiete im Auto hervor: Ein Informationssystem, „das sich über natürliche Spracheingaben steuern lässt“ (Projekt mit General Motors), Radarsensoren (geplante Produktion 2016: zehn Millionen), Stereo-Video-Kamera für räumliches Sehen, löst automatisch Notbremsung aus, sowie diverse Sensoren, die als Parkassistenten und Staupiloten universell fungieren können. Ziel dieser umfassenden Entwicklung von Sensoren ist der „elektronische Beifahrer, der gegen Ende des Jahrzehnts auf die Straße kommen wird“, betont Bernd Bohr.
Der Topmanager, der Bosch im Sommer diesen Jahres verlässt, erinnert zudem an die Optimierung klassischer Kfz-Produkte wie der Diesel- und Benzindirekteinspritzung. „Im Zeichen des Klimaschutzes“ steige deren Absatz enorm. Wurden 2012 in Dieselmotoren 8,7 Millionen Common-Rail-Systeme eingebaut, so werden es 2015 bereits 12,5 Millionen sein. Für Benzindirekteinspritzer lautet der Vergleich: 5,4 Millionen waren es 2012, neun Millionen werden 2015 erwartet. Die Beispiele zeigten, so Bohr, „wie vielseitig Bosch an der Reduktion von Verbrauch und Kohlendioxidausstoß arbeitet“.Die „breite Aufstellung“ aller Aktivitäten im Konzern und deren Vernetzung bildet zugleich die Basis, um die Kostenstruktur spürbar zu verbessern und die Kapazitäten auszulasten. Immerhin beschäftigt Bosch global 42.800 Forscher und Entwickler, zu mehr als einem Drittel außerhalb Europas. Diese weltumspannende Denk- und Tüftlerfabrik will so effektiv wie effizient ausgelastet sein – ebenso wie Produktion und Vertrieb. Bosch offenbart also Nachholbedarf. Einerseits verlor das Umsatzwachstum 2012 mit 1,9 Prozent an Schwung, andererseits belasteten die Verluste in der Photovoltaik sowie die erheblichen Vorleistungen für Zukunftsprojekte das Ergebnis.Dieses Jahr beurteilt die Bosch-Spitze angesichts der schwachen Weltkonjunktur skeptisch. Für 2013 „gehen wir von einem Umsatzwachstum von zwei bis vier Prozent aus“, sagt Denner. Und er mahnt: „Um so wichtiger ist es, dass wir mit Nachdruck an unserer Ertragskraft arbeiten“. Hier verweist der Konzernlenker auf den „Bosch-Weg“: Die Standorte sollen unbedingt ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Aber genauso wichtig ist es, „dass die Geschäftsbereiche zusätzliches Wachstumspotenzial gerade in Europa erschließen. Hier erkennt Denner durchaus Chancen mit innovativen Produkten und Geschäftsmodellen.