München. Bosch ist es nun gelungen, Warenströme über drei Stufen der Lieferkette hinweg vollständig zu digitalisieren. So liegen stets Echtzeit-Informationen über das Geschehen in der Supply Chain vor. Schon in einer Pilotanwendung konnten erhebliche Verbesserungen erzielt werden.
Die aktuelle, mit dem VDA Logistik Award ausgezeichnete Bosch-Lösung nutzt die RFID-Technik (Radio Frequency Identification), um den aktuellen Aufenthaltsort von Ladungsträgern, einzelnen Produkten oder auch Bauteilen automatisch zu erfassen. Im Pilotwerk Homburg beispielsweise erfolgen auf diese Weise zweieinhalb Millionen Buchungen pro Jahr, erläutert Bosch-Projektleiter Andreas Müller. Das sind zehnmal mehr, als zuvor manuell erfasst wurden – und dies ohne Zusatzaufwand. Sobald die mit RFID-Labels gekennzeichneten Behälter oder Teile eine Lesestation passieren, werden sie registriert. Die Informationen sind also viel detaillierter als früher. Letztlich wurden dadurch die Logistikeffizienz um zehn Prozent gesteigert und die Bestände in der Produktion um 30 Prozent verringert.
Erfasst und ausgetauscht werden nun auch sogenannte Event-Daten, also Informationen wie: eine Ware wurde im Werk von A nach B transportiert, ein Produktionsprozess ist abgeschlossen, eine Verladung beginnt oder eine Verladung ist beendet. Bosch selbst beispielsweise erhält von einem Kunden, der in das System eingebunden wurde, eine Information, wenn der Verbau der Bosch-Teile, in diesem Fall ein Bremssystem, an seinem Band beginnt. Eingebunden ist auch ein Bosch-Zulieferer.
Im ehemaligen Pilotwerk Homburg werden für 90 Prozent der internen Materialversorgung an der Fertigungslinie die Nachschubprozesse per RFID ausgelöst, erläutert Müller. In eigenen Werken arbeitet Bosch bereits daran, die Erfassung weiter zu verfeinern, beispielsweise indem nicht nur Kisten oder Ladungsträger, sondern auch Einzelteile mit RFID-Labels versehen werden.