München. Im Ausblick auf das Jahr 2010 war sich die Redaktion der Automobilwoche sicher: BMW wird unter den Autobauern zu den großen Gewinnern gehören. Und so kam es: Die Rückkehr des Premiummarkts in Deutschland und Europa, die Erholung der Konjunktur in den USA und China sowie neue Modelle wie der Fünfer brachten die Münchner in die Erfolgsspur zurück. Mercedes-Benz jedoch hatten wir nicht so stark gesehen: Dass die Stuttgarter nach den Kostensenkungen des Vorjahrs 2010 Rekordrenditen einfahren konnten, hat uns überrascht. Vor einem Jahr war Dieter Zetsche sichtbar angezählt. Jetzt ist er im Konzern unumstritten. Auf der Produktseite hat sich der Designwechsel bei der E-Klasse ausgezahlt. Keine Frage: Daimler und BMW hatten 2010 einen guten Lauf.
BMW hatte 2010 – wie erwartet – einen guten Lauf
Der Zulieferer und Reifenspezialist Continental konnte sich wie erwartet schnell von der Krise des Vorjahrs erholen. Zweistellige Wachstumsraten und die nachhaltige Rückkehr in die Gewinnzone rückten die Querelen um den Einstieg von Schaeffler in den Hintergrund. Der neue Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle überwand, wie Automobilwoche vorausgesehen hatte, die Gegensätze im Aufsichtsrat. Für Klimaspezialist Behr, Abstiegskandidat 2010, fand sich mit Mahle der rettende Investor. Der Kolbenbauer kann sich so beim Thermomanagement verstärken, Behr seine desolate Kapital- und Produktionsstruktur sanieren.
Im Bereich Management sahen wir vor einem Jahr Wolfgang Bernhard als Aufsteiger. Tatsächlich rückte er im Februar in den Vorstand von Daimler auf, zuständig für Produktion und Einkauf. Die Leitung von Mercedes-Benz jedoch bleibt bei Konzernchef Dieter Zetsche.
Dem neuen Opel Astra hatten wir deutlich mehr zugetraut. Das im Dezember 2009 unglücklich gestartete Modell blieb hinter unseren Erwartungen – und denen des Herstellers – zurück. Ob die Kombi-Version Sports Tourer diese Scharte auswetzen kann, bleibt abzuwarten. Wie von uns erwartet, fand die Flatrate von Ford, das clevere Finanzierungsmodell für Privatkunden, in der Branche viele Nachahmer.
Sogar die Premiummarke BMW strickt an einer eigenen Version des Erfolgsmodells von Ford. Dass die Profiteuere der Abwrackprämie in diesem Jahr nichts zu lachen haben würden, war uns schon vor einem Jahr klar. Dass manche Marken wie Fiat oder Toyota 2010 aber mehr Absatz einbüßen, als sie im Jahr zuvor gewonnen hatten, überraschte uns dann doch: Für sie war die Abwrackprämie unter dem Strich ein Verlustgeschäft.