München. Jeder vierte Autohändler in Westeuropa könnte in den kommenden fünf Jahren gezwungen sein, aufzugeben. Zu diesem Ergebnis kommt das International Car Distribution Programme (ICDP) in seinem jüngsten Forschungsbericht. Dieser geht davon aus, dass die europäischen Händlernetze bis 2020 um ein Viertel schrumpfen werden. Schreitet die Konsolidierung in den Vertriebsnetzen weiter fort wie bisher, wird laut ICDP die Zahl der A-Händler bis 2020 von 42.408 auf 31.806 sinken. Dabei würden die konsolidierten Märkte Großbritanniens und Skandinaviens den Trend weniger stark zu spüren bekommen als der Rest Westeuropas.
„Es wird der größte Umbruch werden, den das traditionelle Händlermodell in Europa je gesehen hat“, sagt Steve Young, Geschäftsführer von ICDP. Das aktuelle Modell der Händlernetzwerke habe „sein Verfallsdatum lange überschritten“. Der Händler der Zukunft müsse „mobil und digital agieren“. Als Ursache für die Händlererosion nennt ICDP die zu geringe Profitabilität, die sich verändernden Kaufgewohnheiten der Kunden und die Notwendigkeit, in neue Vertriebskanäle wie das Internet zu investieren – Entwicklungen also, die man auch in anderen Branchen beobachten kann.
„Die Automobilwirtschaft ist nicht immun gegen die allgemeinen Trends im Einzelhandel“, so ICDP-Chef Young. Zwischen 2004 und 2014 ist die Zahl der A-Händler in Westeuropa laut ICDP bereits um 14 Prozent geschrumpft – am stärksten in von der Finanzkrise gebeutelten Ländern wie Griechenland, Irland und Portugal. Nach Marken betrachtet zeigten sich die größten Händlerrückgänge bei Audi und Mazda – Hyundai, Kia und Mercedes dagegen konnten ihre Netze EU-weit ausbauen. Hierzulande sank die Händlerzahl von 2004 bis 2014 um über 20 Prozent auf 11.639 A-Händler. Trotz Netzbereinigung verkaufte jeder einzelne verbleibende Händler weniger Autos – die durchschnittlichen Neuwagenverkäufe in Westeuropa sanken von 288 auf 257 Einheiten.