Herr Reithofer, BMW ist von dem Ziel der europäischen Autoindustrie, bis 2008 den CO2-Ausstoß auf 140 Gramm pro Kilometer zu reduzieren, noch weit entfernt. Wie wollen Sie diesen Abstand verringern?
Es werden in diesem Zusammenhang immer Zahlen von 2005 genannt. Aber bis 2008 werden wir eine deutliche Absenkung des Werts erreichen. Dann wird ein Drittel unserer europäischen Fahrzeugflotte unter 140 Gramm pro Kilometer liegen. Dieses Ziel werden wir erreichen, ohne dass dabei unser Kernmerkmal, die Fahrdynamik, infrage gestellt wird.
Der EU-Umweltkommissar hatte gedroht, einen Grenzwert von 120 Gramm für jedes Auto einzuführen. Was hätte das bedeutet?
Dann hätten wir ein Einheitsauto. Kein Premiumhersteller ist in der Lage, einen solchen Grenzwert für alle Fahrzeuge zu erreichen. Dieser Grenzwert hätte die Existenzgrundlage der deutschen Premiumhersteller infrage gestellt.
Neben der CO2-Problematik müssen Sie sich auch anderen Herausforderungen stellen – zum Beispiel den steigenden Rohstoffpreisen und den Währungsbelastungen. Analysten beziffern diese Effekte auf über eine Milliarde Euro.
Wir waren in der Lage, diese Summe auszugleichen. Zum einen durch unsere Produktivitätssteigerung, aber auch durch unser Volumenwachstum und unsere Modellmix-Verbesserungen. In diesem Jahr werden wir unsere Produktivität weiter steigern, das steht außer Frage.
Und um wie viel?
Mindestens um fünf Prozent.
Nicht nur die Rohstoffpreise, auch die Währungseffekte belasten die deutschen Autobauer zunehmend.
Ja, und nicht nur der schwache Dollar ist ein Thema für uns, sondern inzwischen auch der Yen. Wir sind sehr erfolgreich im japanischen Markt, sodass der Yen-Kurs für uns eine immer größere Rolle spielt.
Wie hoch ist der Wettbewerbsvorteil von Lexus gegenüber BMW in Europa dadurch, dass Lexus in Japan produziert?
Dieser Wettbewerbsvorteil ist zurzeit deutlich. Der Yen ist seit 2001 gegenüber dem Euro immer schwächer geworden.
Streben Sie trotz der genannten Belastungen weiterhin Rekorde für die kommenden Jahre an?
Aber ja. Wir wollen in den kommenden Jahren weiter profitabel wachsen.
Ihr bayerischer Konkurrent Audi hat sich vorgenommen, bis 2015 der erfolgreichste Premiumhersteller zu werden.
Wir haben uns in den vergangenen zehn Jahren in einem sportlichen Wettbewerb mit Mercedes befunden. Der hat uns beiden gut getan, hat uns gegenseitig gepusht. Ich sehe einen weiteren Wettbewerb mit Audi genauso.
Sehen Sie die Gefahr, dass Sie von den Ingolstädtern überholt werden könnten?
Wenn Sie sich den gesamten Weltmarkt ansehen, nicht nur einzeln Europa, Asien oder die USA, dann gibt es derzeit zwei Premiumhersteller, die weltweit agieren: Mercedes und BMW.
Was wird sich für BMW unter der Führung von Norbert Reithofer ändern?
Lassen Sie mir noch ein bisschen Zeit. Nur so viel: Ich bin ein Mann der offenen Worte und sage meinen Mitarbeitern klar, wo wir gemeinsam hin wollen.
Das Interview führten Pia Krix und Guido Reinking.