Wolfsburg. Beim Geld, sagt der Volksmund, hört die Freundschaft auf. Kein Wunder also, dass die Volksseele kochte, als jüngst Details aus einem früheren Aktienoptionsprogramm von Daimler-Chrysler bekannt wurden. Danach könnte Ex-Vorstandschef Jürgen Schrempp etliche Millionen Euro einstreichen, wenn er im Zuge des Verkaufs von Chrysler an Cerberus - und des seit der entsprechenden Ankündigung kräftig gestiegenen Kurses des Daimler-Papiers - seine Aktienoptionen aus den Jahren 2000 bis 2004 versilbert. Ein nachträglicher Bonus für den krachend gescheiterten Bauherrn der "Welt AG"? Das empfinden viele Beobachter, nicht nur unter den von Schrempps Stellenstreichungen Betroffenen, als zutiefst unberechtigt und empörend.
Doch so sind nun mal die Regeln. Aktienoptionen, also das vom Emittenten verbriefte Recht, zu einem späteren Zeitpunkt für einen bereits heute fixierten Preis Aktien zu kaufen, werden in der Autoindustrie längst großzügig eingesetzt, um Führungskräfte an das Unternehmen zu binden oder gewerbliche Mitarbeiter im Wege einer Erfolgsbeteiligung zu noch größerem Einsatz zu motivieren. Auch wenn ein Begünstigter ausscheidet, altershalber oder um Platz zu machen für den nächsten Visionär, kann er nach Ablauf der Sperrfrist seine Optionen in Aktien wandeln - und Kasse machen.
Durch sogenannte Wandelschuldverschreibungen, die den Beschäftigten abgestuft nach hierarchischen Kriterien angedient werden, hat Volkswagen sein früheres Belegschaftsaktienprogramm bereits 1999 ersetzt. Derzeit existieren acht Tranchen, von denen zwei - wie es im Bank-Genre heißt - "im Geld sind", deren Wandlungszeiträume also laufen.