München. Für den 27. November 2015 hat Bentley nun den SOP (Start of Production) angesetzt. Der Bentayga, so der Name des SUV, basiert auf der Plattform PL73 und wird anfangs ausschließlich mit dem bekannten W 12-Motor (über 600 PS) ausgeliefert. Die Rohkarosse entsteht bei VW im Werk Bratislava. Im Interieur soll das SUV das Niveau eines Mulsanne erreichen, mit höchster Materialund Verarbeitungsqualität. Bentley will schon 2016 rund 3600 Bentayga verkaufen. „Allein in den USA haben wir 17.000 registrierte Bentley-Besitzer, und bei den meisten von ihnen steht heute noch ein anderes SUV in der Garage“, sagt Bentley-Chef Dürheimer. Den Bentayga wird es als Vier- und Fünfsitzer geben. 2017 soll eine siebensitzige Variante folgen. Bestätigt hat Crewe das noch nicht. Neben dem Zwölfzylinder wird Bentley vermutlich etwas später einen V8-Benziner (von Porsche entwickelt) und einen Achtzylinder-Selbstzünder (Konzernmotor) einsetzen. Der Bentayga würde damit Bentleys erster Diesel sein. Angedacht ist auch eine Plug-in-Hybrid-Version. Mit der Studie EXP 10 Speed 6, einem zweisitzigen Coupé, ließ Bentley im März in Genf die Herzen der GT-Fans höherschlagen. Auch ohne offizielle Bestätigung deutet viel darauf hin, dass dieses Modell als fün¬fte Baureihe ab 2018 in Serie geht. Aus der Entwicklungsabteilung ist zu hören, dass man aus der Studie sogar deren rautenförmige Kirschholz-Paneele in den Türen in die Serie übernehmen will – einzigartig im Automobilbau. Inwieweit der Speed 6 den Modularen Standardbaukasten MSB von Porsche nutzt, hängt davon ab, ob und wie viel Carbon verbaut wird. Unter der Haube dür¬fte ebenfalls das V8-Herz von Porsche schlagen. Die enge Verflechtung mit Zuffenhausen hat einen Grund: Dürheimer und sein 2012 hinzugekommener Entwicklungschef Rolf Frech waren früher für Porsche tätig. Als gesetzt gilt das MSB-Chassis für den nächsten Flying Spur. Bentley vollzieht damit einen Wandel vom Längs- zum Standardbaukasten. Der MSB verfügt über eine bessere Achslastverteilung und geringes Gewicht, bietet hohe Fahrdynamik und moderne Elektronik. Noch Zeit lässt man sich im Hause mit der Erneuerung des Flaggschiffs Mulsanne. Es ist das einzige Modell im Portfolio, das noch eine eigene Plattform und einen urbritischen Motor besitzt, den 6 ľ V8. Die Chancen stehen gut, dass dies auch bei der nächsten Generation (ab 2020) so bleiben wird. Grund: Zusätzlich wird es innerhalb der Mulsanne-Baureihe wieder ein Cabriolet und – neu – eine im Radstand verlängerte LWB-Version geben. Sie zielt damit unmittelbar auf Kunden, die sich gewöhnlich für den Phantom von Rolls-Royce interessieren. Die oft zitierte Coupé-Version des Mulsanne wird es allerdings nicht geben. Im Jahr 2014 fuhr Bentley mit 11.020 Fahrzeugen ein neues Rekordergebnis ein.
Erweiterung auf fünf Baureihen
Bentley nutzt Porsche-Chassis und -Motor
Dass man im Hause Bentley eine neue Baureihe aufgrund der relativ kleinen Stückzahlen mehr als sorgfältig durchrechnet, versteht sich von selbst. Doch bei der Entscheidung, die 2012 in Genf vorgestellte Studie eines Luxus-SUV auch in Serie zu bauen, spielte diesmal ein kleiner Aluminiumkoffer eine große Rolle. Er enthielt 2000 Visitenkarten, säuberlich geordnet nach Regionen, Ländern und Märkten. Sollte heißen: jede Karte ein potenzieller Kunde. Gesammelt hatte sie Bentley-Chef Wolfgang Dürheimer. Ende 2012 übergab er den Koffer an Martin Winterkorn. Und der VW-Konzernchef war beeindruckt.