Hannover/Luxemburg. In der Erstausrüstung, aber auch im Ersatzgeschäft bieten die Reifenhersteller daher immer mehr Reifen an, die das begehrte Doppel-A-Label tragen: höchste Effizienzklasse und trotzdem sehr gute Leistung beim Bremsen auf Nässe. Goodyear und die zum Konzern gehörende Marke Dunlop haben mit zwölf AA-Dimensionen derzeit das breiteste Angebot im Handel. „Neue Materialien, nicht nur für die Lauffläche, sondern für alle Reifenkomponenten, ermöglichen es uns, immer effizienter zu werden“, erläutert Jean- Pierre Jeusette, der das europäische Goodyear-Innovationszentrum in Luxemburg leitet. Doch allein mit Materialentwicklung wird das volle Effizienzpotenzial nicht ausgeschöpft, meint Burkhard Wies, leitender Reifenentwickler bei Continental: „Das Potenzial stößt an physikalische Grenzen.“ Künftig setzt die Branche daher verstärkt auf neue Reifendimensionen: relativ schmal, aber dafür mit größerem Durchmesser. So steht ein Reifen mit den Dimensionen 195/50/20 vor dem ersten Serieneinsatz bei einem europäischen Hersteller.
Weniger Sprit dank mehr Luft
Solche „Hoch-und-schmal-Konzepte“ verringern den Rollwiderstand, da Reifen mit einem großen Durchmesser weniger Verformungsarbeit leisten müssen. Derzeit werden sie ausschließlich in kleinen Serien für Elektrofahrzeuge eingesetzt. Ein Grund dafür liegt darin, dass der Einsatz solcher Reifen nur sinnvoll ist, wenn das gesamte Fahrzeug auch darauf ausgelegt ist. „Im Zweifelsfalls muss das Radhaus vergrößert werden“, erläutert Wies. Auch an einer weiteren Stellschraube arbeiten die Reifenentwickler: dem Luftdruck. In den BlueMotion-Versionen von Volkswagen ist beispielsweise der Luftdruck um 0,3 Bar erhöht. Allerdings sind damit Komforteinbuße verbunden, solange nicht ein System in Serie geht, das den Luftdruck je nach Fahrsituation adaptiv regelt. „Eines Tages wird auch das kommen“, zeigt sich Continental-Manager Wies überzeugt.