Heute sind Autos wieder gefragt, und solange die Europäische Zentralbank (EZB) weiter billiges Geld in die Märkte pumpt, hat die Refinanzierung durch Spareinlagen für die Autobanken – auch nach der erwarteten Leitzinserhöhung – keine Priorität mehr. Zumal steigende Zinsen von der EZB das Kreditgeschäft und somit die Absatzfinanzierung kaum ankurbeln werden. Die Banken von BMW, Mercedes und VW werden die Stütze auch kaum in diesem Ausmaß nötig haben, zumal die Exportzahlen wachsen.
Auch die akf-Bank sieht ihre Wachstumschancen vor allem im Auslandsgeschäft. Nicht ohne Grund ist Deutschland Exportweltmeister: Laut gfk-Marktforschung ging die reale Kaufkraft in Deutschland im Jahr 2010 um 7,5 Milliarden Euro zurück. Die Exportquote der deutschen Autohersteller lag im April 2010 bei 75 Prozent: Drei von vier hierzulande produzierten Autos werden im Ausland gekauft oder finanziert, während das Geld der Anleger auf den Konten der Autobanken lagert und nicht für Investitionen zur Verfügung steht. Die Umverteilung zugunsten der Banken ist ein Mechanismus des Zinswettbewerbs: Denn dem Kapitalgeber und den Banken geht es um einen hohen oder zumindest risikolosen Zins. Ist der Zins zu niedrig, geben beide das Geld nicht her. Dann gerät das Geld Geld "in die Liquiditätsfalle“, wie John Maynard Keynes sagte.
Das erklärt, warum trotz Liquiditätsüberschuss immer noch Kreditmangel herrscht: "Auch wenn sie es nicht gern zugeben: Die Banken sammeln mehr Geld ein, um sich ein Liquiditätspolster anzulegen, als sie an Krediten auslegen“, sagt Jan Patrick Jarosch, Ex-Banker und Partner der Dukon Deutsche Unternehmens-Kapital GmbH. Weil das Geld zunehmend als Spekulationsmittel gehortet wird, steht es der Realwirtschaft nicht mehr zur Verfügung. Denn wer sein Geld anlegt, investiert es selber nicht in ein Auto. Aber er könnte es dafür zur Verfügung stellen, dass andere dies tun. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass es in der deutschen Realwirtschaft ankommt gering – siehe Exportquote. "Anleger sollten sich fragen, wohin sie ihr Geld tragen“, empfiehlt Finanzexperte Jarosch. "Ob Spareinlagen in der Realwirtschaft ankommen, ist daher auch eine Frage des Anlegerverhaltens.“ Am Ende sitzt der Anleger am Hebel.