Bamberg. Der Wandel im deutschen Autohandel lässt sich vielleicht am besten in Bamberg beobachten, wo Michael Eidenmüller seit bald einem Vierteljahrhundert den zweitältesten Mercedes-Partner der Welt führt. Eidenmüllers Urgroßvater, der Wagenbaumeister Hermann Scholz, hatte 1894 im niederschlesischen Liegnitz eine Werkstatt für die Reparatur von Automobilen gegründet und zehn Jahre später mit Carl Benz einen Liefervertrag geschlossen. Nur die Karlsruher S&G ist noch länger im Geschäft mit Mercedes.
In Bamberg, wo Auto-Scholz nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Heimat fand, zeigt sich, dass Autohändler mit einer langen Tradition auch heute noch eine führende Rolle im Markt einnehmen. Diese kann man Auto-Scholz mit einem Umsatz von 415,7 Millionen Euro im vergangenen Jahr und 1147 Mitarbeitern durchaus zusprechen. Damit liegt das Unternehmen auf Platz 14 der Top- 100-Liste deutscher Autohändler (Automobilwoche 10/2011). Das Beispiel Scholz zeigt aber auch, dass Handelsgruppen nur dann noch eine Chance haben, wenn sie zu großen Veränderungen und harten Schnitten bereit sind. "Als ich 1987 begann, waren es noch die goldenen Mercedes- Jahre, da war der Verkauf sehr einfach. Das hat sich geändert, durch eine neue Modellvielfalt, Konkurrenz anderer Marken und ein Überangebot an Fahrzeugen“, sagt Eidenmüller. Zudem sei der Kunde heute durch das Internet viel besser informiert.
Die goldenen Mercedes-Jahre gehören der Vergangenheit an, vom Mercedes-Partner hat sich Auto-Scholz zum konzernübergreifenden Mehrmarkenhändler entwickelt. Mittlerweile gehören dazu auch Porsche-Zentren in Bamberg und Nürnberg und ein Volkswagen-Zentrum in Bamberg. Die vergangenen Jahre haben aber gezeigt, dass mehr Marken nicht immer mehr Erfolg bedeutet. Am deutlichsten musste Eidenmüller dies bei Peugeot spüren. Mit großen Erwartungen wurde die französische Volumenmarke ins Programm genommen, doch dann brach ihr Marktanteil in Deutschland ein und Eidenmüller beendete das Experiment.
Bei anderen Marken haben sich die Bamberger ebenso zurückgezogen. "Wir mussten uns in den vergangenen Jahren deutlich schlanker aufstellen, haben den Vertrieb für Peugeot, Chrysler und Jeep eingestellt und auch den Audi-Vertrieb im vergangenen Jahr beendet“, sagt Eidenmüller. Ihm waren bei Audi zum einen die Standards mit den geforderten Vorführwagen und Lagerfahrzeugen zu hoch, zum anderen macht im Gebiet von Auto-Scholz ein Audi-Händler "mit aggressiver Preispolitik“ Druck, wie der Geschäftsführer erläutert. In den vergangenen Jahren musste Auto-Scholz daher die Kosten deutlich drücken und sich auch von Mitarbeitern trennen, um schwarze Zahlen zu schreiben. "Das ist uns auch in der Krise gelungen. Wir sind aber in diesem Verschlankungsprozess noch nicht am Ende, es ist ein laufender Prozess“, sagt Eidenmüller.