Das Ziel steht noch. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir konkrete Zahlen erst 2015 vorlegen. Ich kann Ihnen aber versichern, dass wir mit den intelligenten Netzen im Plan liegen.
"Aus dem Projekt für Daimler entsteht ein Industriestandard"
Wir mussten lernen, dass unsere ursprüngliche Strategie nicht ganz aufgegangen ist. Wir wollten zunächst mit Continental und dann alleine, eine eigene Telematik-Plattform für die Autoindustrie aufbauen. Inzwischen machen wir das für die Hersteller individuell. Das ist uns bei Daimler jetzt gelungen. Und ich glaube, dass aus dem Projekt für Daimler ein Industriestandard für eine Telematikplattform entsteht, den wir auch anderen Herstellern anbieten können.
Grundsätzlich besteht ein vernetztes Fahrzeug aus vier Elementen: Der Hardware im Fahrzeug, das heißt die Navigations- und Infotainmentplattform. Zweitens braucht man die Mobilkommunikation mit dem Zugang zum Internet. Drittens kommt eine Telematik-Plattform als Backend zum Einsatz, wo die Mobilitätsdienste laufen. Diese Services oder Apps bilden das vierte Element.
Wir decken bei Daimler erstmals drei Elemente ab - bei der Hardware im Fahrzeug sind wir nicht vertreten. Das machen die Hersteller traditionell selbst. Im neuen COMAND Online-System, das mit der neuen S-Klasse auf den Markt kommt, sorgen wir für die weltweite Mobilkommunikation, wir betreiben die Backend-Cloud und wir liefern auf Wunsch von Daimler bestimmte Apps. Die Abrechnung erfolgt in Form eines innovativen Modells mit Risikobeteiligung: Für jedes Fahrzeug, das Mercedes mit COMAND Online verkauft, erhalten wir einen Betrag x.
Weil die Plattform entwickelt ist und funktioniert. Sie wird für jeden Beteiligten umso günstiger, je mehr Fahrzeuge daran angebunden sind. Jeder Hersteller kann darauf seine eigene markentypische Darstellung mit eigenen Diensten laufen lassen. Dabei spielt es auch keine Rolle, wer der Mobilfunkprovider oder App-Lieferant ist. Das Ganze ist also sehr interessant und wir führen Gespräche, nicht nur mit weiteren deutschen Herstellern.
Wir stellen fest, dass die Hersteller weltweit nur einen Anbieter für Mobilkommunikation wollen. Telekom bietet deshalb nicht nur den Zugang zum eigenen Netz. Vielmehr partnern wir bei der Kommunikation weltweit mit anderen Providern - sei es Telefonica, O2 oder China Unicom. Wir sind bereits heute praktisch der Mobile Network Operator für BMW und Mercedes.
Zum Einstieg bieten wir für BMW weltweit eine Nachrüstlösung an. Zusammen mit dem Hardwarelieferanten Peiker liefern wir ein Gerät mit einer Telekom-SIM-Karte, die über die fest eingebaute Fahrzeugantenne einen Zugang zum LTE-Netz herstellt und im Fahrzeug selbst einen Hotspot erzeugt. Man kann dann seine mitgebrachten Geräte - seien es Smartphones oder andere - mit dem Hotspot verbinden. Für den Hersteller heißt das, dass er breitbandige Services ins Fahrzeug liefern kann und das für eine minimale Anschlussgebühr. Der große Vorteil ist, dass der Hersteller keinen Business Case für die Breitband-Nutzung mehr rechnen muss, ohne zu wissen, was der Kunde tatsächlich in Anspruch nehmen will. Ein Beispiel: Wenn ein Hersteller Rücksitzentertainment anbieten will, zahlt er den entsprechenden Breitbrandbetrag. Alles andere muss der Kunde selbst übernehmen und zwar genauso wie er bisher einen Hotspot nutzt. Im Rahmen seines Mobilfunkvertrags oder nutzungsbasiert für eine Stunde oder einen Tag. Die Nachrüstlösung ist aber erst der Anfang ...
Wir wollen den Hotspot fest eingebaut in Serie bringen. Bei BMW wird das 2014 der Fall sein. Auch bei Daimler wird es in Richtung Breitband gehen. Darüber hinaus reden wir derzeit mit VW und Audi. Diese Leistung können wir weltweit erbringen - in China genauso wie in den USA oder Brasilien.
Derzeit können wir 40 fahrzeugbezogene Dienste und allgemeine Services anbieten. Für die Telekom ist es interessant, die komplette Wertschöpfungskette abzudecken. Wir planen gerade eine Mobilitätskette, bei der zum Beispiel das Smartphone anhand des Kalendereintrags erkennt, wo ich morgen einen Termin habe. Dann sagt mir das Smartphone, basierend auf den aktuellen Verkehrsdaten, wann ich losfahren muss und stellt mir auch den Wecker so ein.