München. Als es Mitte der 90er-Jahre hieß, BMW baut einen Geländewagen, senkten nicht wenige Experten den Daumen. Passt nicht zur Marke, hieß es. Weit gefehlt. Mittlerweile machen die X-Modelle über ein Drittel des gesamten Absatzes aus. Ab dem 27. September steht bei den Münchenern erneut ein Paradigmenwechsel an.
Dann startet der Zweier Active Tourer, nicht nur der erste Kompaktvan der Marke, sondern auch das erste Fahrzeug mit quer eingebauten Motoren und Frontantrieb. Es ist ein Bruch mit der Tradition. Doch BMW braucht neue Kunden, um weiterhin als Premiumhersteller auf der Pole Position zu fahren. Dem Active Tourer wird intern eine Eroberungsrate von mindestens 75 Prozent zugetraut. Im Fokus sind junge Familien genauso wie „Best Ager“ und Leute mit überdurchschnittlich vielen Freizeitaktivitäten. Ihnen will BMW ein hohes Maß an Funktionalität bieten, gleichzeitig aber ein kompaktes Fahrzeug mit guter Raumausnutzung, niedrigem Verbrauch und sportlichen Fahreigenschaften. „Das ist eine einzigartige Kombination“, sagt der Projektleiter Siegfried Müller.
Der Active Tourer ist mit 4,34 Metern nur wenige Zentimeter länger als der Einser BMW, bietet aber wesentlich bessere Platzverhältnisse als dieser. Der Grund liegt in der UKL-Frontantriebsarchitektur, ohne die das gesamte Van-Projekt nicht möglich gewesen wäre. UKL nutzen auch Mini und die nächste Einser-Generation. Eine um rund 18 Zentimeter verlängerte Siebensitzerversion des Active Tourer soll nächstes Jahr folgen. Allerdings wird dieses Modell einen anderen Namen erhalten.
BMW-Fahrer, die hinter dem Lenkrad Platz nehmen, fühlen sich sofort zu Hause. Cockpit, Schalter und Bedienung sind gewohnt übersichtlich angeordnet und fast intuitiv zu bedienen. Neu ist ein Head-up-Display, das zwar nicht wie beim Fünfer in die Windschutzscheibe gespiegelt wird, aber zumindest in eine kleine ausfahrbare Scheibe. BMW begründet diese Lösung mit Kosten.
Zum Marktstart gibt es den Zweier Active Tourer mit drei Motorisierungen. Den Einstieg bildet der 218i mit der Dreizylinder-Benziner B38 mit 1,5 Liter Hubraum und 136 PS. Das Topmodell ist der 225i (B48) mit vier Zylindern, zwei Litern Hubraum und 231 PS, der aber hauptsächlich in Amerika und China seine Abnehmer finden wird. Favorit in Europa, hier erwartet BMW insgesamt 60 Prozent des Absatzes, dürfte der Diesel sein. Im 218d sitzt der brandneu entwickelte Zweiliter-Vierzylinder (B47) mit 150 PS und starkem Drehmoment von 330 Newtonmeter. Ihn konnten wir auf einer ersten Testfahrt schätzen lernen. Er überzeugt durch leisen Lauf, gutem Antritt und geringen Verbrauch. BMW gibt als Normwert nur 4,1 Liter an. Etwas später im Herbst sollen auch zwei Allradvarianten sowie ein Benziner mit 192 PS und ein Diesel mit 190 PS folgen. Vermutlich noch zum Ende des nächsten Jahres reichen die Münchener einen Plug-in-Hybriden nach.
Preislich startet der Zweier Active Tourer als 218i bei 27.200 Euro. Spielraum, seinem Hang zur Individualisierung nachzukommen, gibt es reichlich. Die Preisliste umfasst 60 Seiten.