Mladá Boleslav. Seine Lieblingsthemen sind Vertrieb und Marketing. Bisweilen jedoch findet Detlef Wittig auch an schlichtem Zahlenwerk Gefallen: "1991 war Skoda gerade in 30 Ländern aktiv", blickt der Chef der tschechischen Marke auf jenes Jahr zurück, als sich die Volkswagen AG erstmals an Skoda Auto beteiligte. "Heute", freut sich Wittig, "vertreiben wir unsere Fahrzeuge bereits in 85 Staaten."
Der Exportanteil der Skoda-Palette sei im gleichen Zeitraum von kümmerlichen 28 Prozent auf nunmehr 86 Prozent gestiegen. Und die einst 31-prozentige VW-Beteiligung an Skoda mündete im Jahr 2000 in die vollständige Übernahme durch den Wolfsburger Konzern, von der, so Wittig, "nun beide Seiten erheblich profitieren".
Da wird VW-Chef Bernd Pischetsrieder nicht widersprechen. Im Gegenteil. "Skoda ist unsere Lebensversicherung gegen die Angriffe der Koreaner", hatte er bereits kurz nach seinem Amtsantritt 2002 erklärt. Seither hat sich der globale Konkurrenzkampf in der Fahrzeugindustrie weiter verschärft: Neben den koreanischen Wettbewerbern gewinnen auch viele japanische Pkw-Produzenten in wichtigen Absatzregionen wieder Marktanteile hinzu, während der Absatz Skodas stagniert. Allzu lange, da sind Branchenexperten wie Berger-Berater Ralf Kalmbach sicher, wird es nicht mehr dauern, bis auch chinesische Hersteller in den Wettbewerb eingreifen.
Mit Skoda will der VW-Konzern ein Gegengewicht setzen. VW-Markengruppen-Chef Wolfgang Bernhard hatte deshalb gute Gründe, auf einer seiner ersten Dienstreisen für VW in der Skoda-Zentrale in Mladá Boleslav vorbeizuschauen. Im so genannten Pentagon, wie das Skoda-Hauptquartier wegen seiner eigentümlichen Architektur intern heisst, präsentierten die Skoda-Spitzen eine Reihe von Plänen, die dem Unternehmen einen weiteren Wachstumsschub geben sollen.
So feilt Wittig seit geraumer Zeit an einer "Areal-Strategie" für Skoda. "Wir haben einen deutlichen Zug nach Osten", umreisst er grob die Marschrichtung. Derzeit reizen ihn insbesondere die Wachstumsmärkte im Fernen Osten. Vor wenigen Wochen etwa einigte sich Skoda mit Shanghai Volkswagen auf eine Lizenzfertigung der Limousine Octavia. Ab 2007 soll das Mittelklasseauto in der ostchinesischen Metropole montiert werden. "Zunächst für China", wie es aus der Tschechischen Republik heisst -- ein späterer Export aus dem Reich der Mitte ist demnach nicht ausgeschlossen.
Für den boomenden Automarkt Indien bereitet Skoda derzeit eine Spezialversion der Kompakt-Baureihe Fabia vor: Bausätze der Stufenheckausführung sollen noch in diesem Jahr auf dem Subkontinent zusammengefügt und vor Ort verkauft werden. Den Octavia und das Top-Modell Superb lässt Skoda bereits seit 2004 im indischen CKD-Werk Aurangabad montieren. "Auch in Russland und Kasachstan", lässt Wittig durchblicken, "führen wir vielversprechende Verhandlungen."
Mit gut 27.600 Einheiten, die Skoda im vergangenen Jahr im Raum "Übersee, Asien" verkaufte, ist die Region nach absoluten Zahlen zwar noch vergleichsweise gering erschlossen. Mit einem Anstieg des Skoda-Absatzes von 2003 auf 2004 um mehr als 24 Prozent allerdings markierte das Autogeschäft in diesem Raum für die Marke klar den Spitzenwert.