Ingolstadt. Der Fahrzeughersteller Audi will die mechanischen Stoßdämpfer mittelfristig durch elektrische Rotationsdämpfer ersetzen und so während der Fahrt Energie zurückgewinnen. "Jedes Schlagloch, jede Bodenwelle, jede Kurve bringt Bewegungsenergie ins Auto, die in aktuellen Dämpfern als Wärme verpufft", so Projektleiter Marco Willems. "Mit einem elektromechanischen Dämpfersystem im 48-Volt-Bordnetz könnten wir uns diese Energie zunutze machen."
Dafür hat er den sogenannten eRot entwickelt, der mit einem starken Hebelarm am Radträger befestigt ist. Er nimmt die Schwingungen des Fahrzeugs auf und wandelt sie in der E-Maschine in Strom um. Dafür braucht es keine Buckelpiste, sagt Willems. Im Schnitt lassen sich auf diese Weise pro Kilometer 150 Watt zurückgewinnen: von drei Watt auf einer frisch asphaltierten Autobahn bis zu mehr als 600 Watt auf einer Kreisstraße in schlechtem Zustand. Im Alltagsbetrieb entspreche das einer CO2-Einsparung von drei Gramm je Kilometer, rechnet Willems vor. Zudem benötigt das System weniger Bauraum, sodass vor allem bei Kombis und Geländewagen mehr Platz im Kofferraum genutzt werden kann.
Noch gibt es die Rekuperationstechnik nur als handgefertigte und deshalb extrem teure und bislang noch sehr schwere Prototypen. Doch mittelfristig sieht Willems die elektrischen Rotationsdämpfer bei Preis und Gewicht auf einem Niveau mit den adaptiven Systemen, wie sie heute in den großen Baureihen zum Einsatz kommen.
Weil für den Einsatz des eRot allerdings die komplette Plattform geändert werden muss, werde der Schritt in die Serie noch etwas dauern, erwartet der Entwickler: "Wenn wir die nächste Generation unserer Baukästen bringen, könnte es aber so weit sein."