München. Angefangen beim Vantage. Das Modell ist im Grundkonzept (VH Architektur) zehn Jahre alt. Es herrscht Renovierungsbedarf. Kunden in diesem Segment verlangen Spitzentechnologie. Der 102 Jahre alten Traditionsmarke aber fehlte bislang das Geld für Neuentwicklungen. Gewinne erwirtschaftet Aston Martin seit Jahren nicht. Die Produktion ist zu teuer, die Angebotspalette zu klein. Man hält sich mit Derivaten und limitierten Sondermodellen über Wasser. Jetzt sieht es so aus, als ob im Hauptquartier in Gaydon die Wende eingeleitet worden ist. Aston Martin spricht von Neuausrichtung. „Wir schauen in eine aufregende Zukunft, die weit bis in die nächste Dekade reicht“, so Vorstandschef Andy Palmer. Grund für den Optimismus: Die Briten erhielten kürzlich eine Finanzspritze von über 300 Millionen Euro. Der Betrag stammt von den Hauptanteilseignern Investindustrial und Tejara Capital. Damit soll das Projekt „Second Century“ begonnen werden. „Bis 2020 werden wir jedes bestehende Modell ersetzt haben und zusätzlich drei neue auf den Markt bringen“, prognostiziert Palmer. Eines davon zeigte Aston Martin bereits als Studie im März auf dem Auto-Salon in Genf, den DBX, ein Crossover aus SUV und Sportwagen. „Die Reaktionen haben uns überwältigt“, so Palmer. Unterm Blech steckt eine Kombination aus Allrad und Elektroantrieb. Palmer glaubt, dass der DBX, wenn er 2018 auf die Straße kommt, auch Frauen anspricht. Bislang war man stark auf männliche Kunden fixiert. Das Investment erlaubt Aston Martin, nicht nur den DBX zu bauen, sondern weitere neue Modelle zu entwickeln und die Produktionsanlagen zu erweitern. Bis Ende des Jahres werden 10.000 Quadratmeter hinzukommen. Schon 2016 rechnen Branchenkenner mit einem ersten neuen Modell, dem Nachfolger des DB9. Für das Sport-Coupé nutzen die Briten allerdings noch nicht die technische Unterstützung von Mercedes-AMG. Diese dürft e erst beim nächsten Vantage greifen. Daimler hält etwa fünf Prozent an Aston Martin und hat, wie es aus Stuttgart heißt, „Beobachterstatus im Bord of Directors von Aston Martin“. Die Beteiligung beinhaltet unter anderem die Lieferung von V8-Turbo-Aggregaten und Komponenten für die Entwicklung einer elektronischen Architektur. Ein äußerst wichtiger Markt für Aston Martin ist China. Hier denkt man über eine elektrische Version des Rapide nach. Joint-Venture-Partner sind das Energieunternehmen Hanergy und die Internetfirma LeTV. Nicht nur in China, sondern weltweit schickt Aston Martin nächstes Jahr den Lagonda Taraf an den Start, eine Luxuslimousine mit langem Radstand und limitiert auf 200 Einheiten. Gebaut wird der Taraf von der Sparte „Q by Aston Martin“, benannt nach dem Leiter der Spezialabteilung, von der James Bond gewöhnlich seinen mit technischen Spielereien versehenen Dienstwagen erhält. „Q by Aston Martin“ soll als Individualisierungsprogramm massiv ausgebaut werden. Wie das möglich ist, zeigen die Briten mit dem DB10. Der Sportwagen – zehnfach gebaut – dient 007-Darsteller Daniel Craig im neuen Film „Spectre“ (Debüt: November) als Untersatz. Liebhaber der Marke, die sich bereits auf eine exklusive Kleinserie freuen, werden enttäuscht: Der Bond-Bolide bleibt 007 vorbehalten.
300 Millionen Euro Finanzspritze
Aston Martin steht vor Neuausrichtung
So stilvoll Aston Martin-Modelle im Design auch sein mögen und so zuverlässig sie Männerherzen höherschlagen lassen – Kunden, die sich für diese britischen Sportwagen entscheiden, kaufen betagte Technik.