Wolfsburg. Mit einer neuen Vertriebsaktion namens "Mobilitätsunterstützung" sorgt Volkswagen für wachsenden Unmut bei den Verkaufspartnern. Hintergrund sind die monatelangen Lieferzeiten für das Kompakt-SUV Tiguan, über die Automobilwoche in Heft 1/2008 exklusiv berichtet hatte.
Angesichts der "äußerst positiven Resonanz für den Tiguan bekommt nicht unbedingt jeder Tiguan-Kunde sein Fahrzeug zu seinem Wunschtermin", räumt das Ressort Verkauf Deutschland VW Pkw in einem internen Schreiben ein. Daher wolle man die Händler nun dabei unterstützen, verärgerten Kaufinteressenten "eine ganz persönliche Lösung" anzubieten. Seit Anfang Mai und zunächst befristet bis Ende Juni gewährt der Hersteller daher dem Handel eine Sonderzahlung von 1000 Euro. Die Bedingungen: Ein in diesem Zeitraum bestellter Tiguan kann frühestens im Januar 2009 geliefert werden. Und: Als Übergangslösung für den wartenden Kunden ordert der VW-Händler einen Golf, lässt diesen als Vorführwagen zu - und stellt ihn dem Tiguan-Käufer dann als "Mobilitätsunterstützung" zur Verfügung.
"Für VW ist das sicher ein guter Deal", so ein norddeutscher Händler, "die besänftigen wütende Tiguan-Käufer und drücken noch schnell den Golf V in den Markt, der ja im Oktober vom Typ VI abgelöst wird." Für die Vertriebspartner hingegen reiche die Prämie von 1000 Euro "absehbar vorne und hinten nicht aus", um die gebrauchten Golf-Vorführwagen später "auch nur annähernd kostendeckend" vermarkten zu können.
VW-intern gilt das "Golfuan"-Modell auch als Vorsorgemaßnahme mit Blick auf künftige Wettbewerber wie den Kuga von Ford und den Mercedes GLK. "Angesichts der langen Tiguan-Lieferzeiten müssen wir aufpassen, dass vergrätzte Interessenten nicht zur Konkurrenz abwandern", sagt ein Manager. Aus diesem Grund habe die VW-Führung für das begehrte SUV jüngst "erweiterten Preisschutz" genehmigt: Von der VW-Preiserhöhung zum 29. Mai bleiben Tiguan-Altverträge ausgenommen. Auf steigenden Wettbewerbsdruck bereitet VW-Chef Martin Winterkorn den Handel mit einer Testkauf-Offensive vor.