Zwar teilen sich bei Porsche im Zuge der Ausgliederung "die Verantwortungsbereiche der Unternehmensleitungen künftig auf in das Beteiligungsmanagement einerseits und die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von sportlichen Premiumfahrzeugen" andererseits. Mit VW-Chef Martin Winterkorn aber verfolgt Wiedeking, der beide Holding-Sparten führen will, intensiv eine Reihe gemeinsamer Projekte - von der Arbeit an verbrauchsgünstigen Hybrid-Antrieben bis hin zur Konzeption von Pkw-Elektronik für künftige Audi- und Porsche-Typen. So gerüstet, wollen es beide Topmanager auch mit dem in der ganzen Autobranche bewunderten Benchmark aus Japan aufnehmen: "Wenn Toyota jemand Paroli bieten kann", ist Wiedeking seit Langem fest überzeugt, "dann VW."
Den größten Charme allerdings hat die praktische Holding-Lösung für Ferdinand Karl Piëch. Dem Porsche-Enkel und VW-Aufsichtsratschef bietet die Achse Porsche-VW auf dem Weg zur Vollendung seines Lebenswerks den höchstmöglichen Komfort. Mag Wendelin Wiedeking weitere Beteiligungen unter dem Dach der Porsche-Holding auch als "Zukunftsmusik" bezeichnen, räumt der gewiefte Stratege dennoch ein: "Da die Vereinbarung langfristig angelegt ist, mussten wir alle Eventualitäten abdecken."
Dazu gehört vor allem ein noch engerer Verbund von VW Nutzfahrzeuge, MAN und Scania, den Kenner der Lkw-Industrie aufgrund der Ergänzung der Produktportfolios als "logisch" erachten - und den Piëch auch unter dem neuen Holding-Dach platzieren könnte. Schon jetzt ist Volkswagen größter Anteilseigner bei Scania und bei MAN.
Bereits in den 90er-Jahren hatte Piëch, damals noch Konzernchef, für VW einen Platz "auf dem Treppchen", unter den ersten drei der weltweiten Autobranche, angestrebt. Nie war er seinem Ziel näher: Zusammen mit Porsche und Volkswagen Pkw würde ein solcher neuer Super-Konzern im globalen Ranking der Fahrzeug-Player Toyota ganz dicht auf die Stoßstange rücken. Piëch würde sich damit ein Denkmal setzen. Und Wiedeking könnte die Aktionäre wieder mit einer "Zäsur" erfreuen.