Königswinter. Jeder dritte hierzulande verkaufte Gebrauchtwagen hat laut ADAC einen manipulierten Tacho, den finanziellen Schaden schätzt der Club auf sechs Milliarden Euro jährlich. Auch wenn diese Zahl in der Branche sehr umstritten ist – die finanziellen und sicherheitsrelevanten Probleme durch das Zurückdrehen von Kilometerzählern seien nicht zu leugnen, so Markus Sippl vom ADAC auf dem Deutschen Autorechtstag.
Dass der Tachobetrug bereits 2005 zur Straftat erklärt wurde, habe leider wenig gebracht. Denn weil das Einstellen des Kilometerstandes, etwa nach Reparaturen, nach wie vor zulässig ist, "gibt es auch weiterhin eine Daseinsberechtigung für entsprechende Geräte und die dazugehörige Dienstleistung“, sagt der ADAC-Mann.Im Windschatten der legalen Nutzung können daher auch Betrüger die Geräte unbehelligt verwenden. Und die Trickserei wird immer einfacher: "Seit Einführung der OBD-Schnittstellen ist das ein Kinderspiel“, sagt Sippl. Denn Tachos oder Steuergeräte müssen nicht mehr wie früher ausgebaut werden, sondern lassen sich über einen Diagnosestecker manipulieren. "Womöglich gibt es die entsprechende Software demnächst schon als App“, warnt Sippl.Die Geräte werden im Internet angeboten, laut ADAC ab rund 7000 Euro. Mittlerweile sind aber auch schon chinesische Kopien für weniger als 400 Euro samt Software zu haben. Regelmäßige Updates sorgen dafür, dass neue Modelle bereits nach einem Jahr bearbeitet werden können. "Alle relevanten Steuergeräte im Fahrzeug werden manipuliert“, sagt Sippl, "das heißt, der wahre Kilometerstand wird überall überschrieben.“ Wird der Tacho also rechtzeitig vor der Herstellerinspektion frisiert, "besteht keine Chance mehr, den Betrug aufzudecken.“In der Pflicht sieht der ADAC vor allem die Autobauer: Er fordert eine technische Lösung – ähnlich wie bei der elektronischen Wegfahrsperre, die die Zahl der Fahrzeugdiebstähle deutlich reduzieren konnte.ADAC kämpft weiter gegen Tacho-Trickser
Nach Schätzungen des ADAC ist hierzulande bei jedem dritten Gebrauchtwagen der Kilometerzähler manipuliert – mit nicht zu unterschätzenden finanziellen und sicherheitsrelevanten Folgen.