München. Wegen des 2015 auslaufenden Verkaufs der Marke Opel in Russland und der Einstellung der meisten Chevrolet-Modelle befinden sich die russischen General-Motors-Händler in den Zeiten der Wirtschaftskrise auf der Suche nach einer neuen Marke. Sieben Opel/Chevrolet-Standorte in sechs Städten betreibt die größte russische Autohandelsgruppe Avtomir. Laut Vize-Finanzchef Artjom Zjabin werden verschiedene Ersatzoptionen geprüft. So könnte man etwa die in Russland führende Marke Lada wieder ins Programm nehmen. Im Unternehmen denkt man auch über verstärkte Aktivitäten im Premiumsegment nach.
Avtomir betreibt 45 russische Standorte mit 19 Marken, davon etwa die Hälfte als Mehrmarkenbetriebe. Die Handelsgruppe setzte im Vorjahr mehr als 74.000 Neuwagen ab. „Wir wissen nicht, was wir verkaufen werden, und suchen nach einer Lösung“, sagte Alexander Rjabuchin, Marketingchef der weißrussischen Autohandelsgruppe Atlant-M, der Automobilwoche zum Thema GM-Ausstieg. Die Firma besitzt in Russland sieben Betriebe, davon drei mit General Motors-Marken. „Es ist nicht einfach, denn der Markt schrumpft, und die Hersteller haben bereits ihre Händler“, so Rjabuchin.
Opel bietet unter dem Werbeslogan „Wir bleiben Freunde“ große Preisnachlässe an. „Wir arbeiten mit unseren Händlern an der Bereitstellung einer ausreichenden Zahl von Servicestellen“, heißt es auf der Homepage. Viele Händler sind mit den angebotenen Entschädigungen nicht zufrieden, halten sich aber mit Kritik zurück, weil sie als Servicepartner tätig sein und den Chevrolet Niva verkaufen wollen. Während in Russland 2014 insgesamt 2,49 Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge abgesetzt wurden, rechnen beide Manager für 2015 mit insgesamt rund 1,5 Millionen. Alexander Rjabuchin hält die Schließung von bis zu 1000 der insgesamt 3500 Händlerbetriebe für realistisch. „Das bestehende Netz wurde mit der Absatzerwartung von drei Millionen Autos pro Jahr etabliert, in diesem Jahr werden es 1,5 Millionen werden – genau halb so viel“, sagt Rjabuchin. „Das ist einfache Arithmetik.“ „Viele kleine Händler werden Insolvenz anmelden“, prophezeit Zjabin. Er rechnet damit, dass ein Viertel aller Händler oder gar mehr pleitegehen. Avtomir will die Krise zu Übernahmen nutzen. „Wir haben viele Angebote von kleineren Händlern bekommen“, erklärt Zjabin.