Er ist über 50 Jahre alt und seit rund einem Jahr Millionär: Am 11. Mai 2017 ist der millionste Porsche 911 vom Band gelaufen. Was macht dieses Auto so besonders, dass es seit 1963 gebaut wird und immer noch Menschen begeistert?
Ist es sein Design? Die "Auto Bild Klassik" wählte den 911 auf Platz vier der schönsten Autos aller Zeiten. Ist es sein Klang? Die "Elferclassix-Lounge" nennt 50 Gründe, einen 911 zu fahren, auf Platz 1 steht der Sound des Boxermotors, der ebenso untrennbar zu dem Auto gehört wie seine Form. Frest steht: Irgend etwas Besonderes muss dieses Auto haben. Der 911 wird seit mehr als 50 Jahren gebaut, er hat die Ölkrise überstanden, den Versuch des Porsche-Chefs Ernst Fuhrmann, ihn abzuschaffen und den Einzug der Grünen in den Bundestag. Wahrscheinlich wird er ewig leben. Zumindest bisher haben weder E-Autos wie der Tesla Roadster noch Mobilitätsdienste wie Uber die Faszination des 911 schmälern können.
911-Kunden sind Traditionalisten. Während bei anderen neu vorgestellten Autos die erste Frage lautet "Was kann er besser als sein Vorgänger?", heißt es bei der Neuvorstellung eines 911 immer: "Hoffentlich ist er so gut wie der alte." Das liegt natürlich zum Teil daran, dass die meisten Porsche-Kunden noch andere Autos haben und deshalb nicht auf mehr Platz oder mehr Komfort angewiesen sind. Zum anderen liegt es aber auch an dem Kult, der in den vergangenen Jahren um diesen zugegebenermaßen hervorragenden Sportwagen entstanden ist. Nachteile wie der hinter der Hinterachse liegende Motor werden da gern übersehen. Neben der Tatsache, dass er eine automobile Legende mit mehr als 50-jähriger Geschichte ist, überzeugt der 911 heute mit den gleichen Vorzügen wie zu Beginn der Produktion. Es gibt wohl kaum ein Fahrzeug, das Alltagstauglichkeit und Rennstreckentauglichkeit so gut verbindet und in beiden Bereichen ein ähnlich hohes Niveau erreicht wie der 911.
Stärker als alle Worte ist das persönliche Erlebnis: Wer nur etwas Benzin im Blut hat, wer einmal den Schlüssel links vom Lenkrad ins Zündschloss gesteckt hat, wer einmal den Klang des Sechszylinder-Boxermotors bei hohen Drehzahlen gehört hat, wer einmal das Vergnügen hatte, diesen perfekt abgestimmten Sportwagen über eine wenig befahrene und kurvenreiche Landstraße zu fahren, der versteht die Faszination, die von diesem besonderen Auto ausgeht. Die aktuelle Generation ist sicherer, komfortabler, größer und schwerer als die Vorgänger - aber nicht weniger faszinierend als der erste 911.
Wahrscheinlich stehen wir vor einem der größten Wandel in der Geschichte der Mobilität, ähnlich gravierend wie der Wechsel vom Pferd zum Auto. Und so, wie es heute noch Reiter gibt, wird es auch in 50 Jahren noch Menschen geben, die aus Spaß am Fahren selbst Auto fahren. Und die werden eher Sportwagen als SUVs oder Familienkutschen fahren. Wenn irgendwann alle Golf, Fiesta, X3 und sonstige Alltagsautos von den Straßen verschwunden und durch seelenlose Roboter-Taxis ersetzt worden sind, die alle gleich aussehen und deren Marke völlig egal ist, wird es immer noch Elfer und ihre Fahrer geben. Und die Fahrer werden genauso begeistert von diesem Auto sein, wie es die Fahrer in den vergangenen 55 Jahren waren und wie wir es heute sind. Chapeau, 911!
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