Herr Lange, falls es zur Übernahme von Teilbereichen des Opel-Entwicklungszentrums durch Segula kommt, sind davon bis zu 2000 Mitarbeiter betroffen. Wo sollen diese künftig eingesetzt werden?
Die Mitarbeiter kommen aus einem Automobilumfeld in dem sie jahrelang Erfahrungen und Kompetenzen gesammelt haben. Diese Erfahrung wollen wir weiter nutzen um sie auch anderen Fahrzeugherstellern zur Verfügung zu stellen. Die Segula-Gruppe ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und bereits heute machen wir bereits über 50 Prozent unseres Umsatzes im Bereich Automotive. Wir sind aber auch in anderen Industriesektoren aktiv und wollen die durch Opel gewonnenen Qualifikationen in Deutschland auch außerhalb des Automotiveumfelds anbieten.
Welche Bereiche wären das vor allem?
Das können vielfältige Industriefelder sein. Mit dem Schienenfahrzeugbau und der Energietechnik möchte ich da zunächst zwei nennen. Das hängt natürlich auch von den Qualifikationen der künftigen Mitarbeiter ab. Mit diesem Thema müssen wir uns noch intensiver auseinandersetzen.
Was ist Ihnen am Komplex Segula/Opel wichtig?
Dass wir den Mitarbeitern in Rüsselsheim, die derzeit nach der Veränderung in der Gesellschafterstruktur innerhalb der PSA-Gruppe keine wirkliche Zukunft mehr haben, neue Perspektiven eröffnen. Sie können sich in einem breiteren Umfeld mit der Automobiltechnik aber auch in anderen Sektoren langfristig einen sicheren Arbeitsplatz bewahren. Ich denke, das ist ein sehr positiver Beitrag, den wir dort bieten können.
Was hat Sie an Teilen des Opel-Entwicklungszentrums gereizt?
Das ist die Kombination aus hochwertiger Automobilerfahrung sowie einem etablierten Mitarbeiterteam das dort Produktentwicklung, Validierung, Test. darunter auch Vorentwicklung, betreibt. Das ist ein Umfeld, das uns stark reizt. Auch die geographische Lage mitten in Deutschland ist von Vorteil. Das Ganze noch angereichert durch das Testzentrum in Dudenhofen ist für uns eine spannende Kombination.
Segula ist in Deutschland vor allem als Unternehmen bekannt, dass im Bereich der Personalüberlassung aktiv ist. Wie wichtig ist für Sie das Know-how der Opel-Ingenieure um Gesamtfahrzeugkompetenz aufzubauen?
Genau das ist unsere Strategie und Ziel dieses Projektes. Die Arbeitnehmerüberlassung ist in der Automobilindustrie kein Zukunftsmodell und nicht mehr Gegenstand unserer künftigen Strategie. Gefragt sind von den Automobilkunden Arbeitspakete, die schon heute und künftig eine große Rolle spielen. Und in genau diesem Bereich ist Segula seit geraumer Zeit aktiv. Mit den Kompetenzen, die uns dann hoffentlich zugänglich werden, können wir komplette Systemlösungen anbieten. Insbesondere auch in der Kombination mit Test, Erprobung, Validierung bis hin zu Probefahrten auf dem Testgelände in Dudenhofen.
Sie wollen bis 2023 in der Branche der Entwicklungsdienstleister führend im Bereich Automotive sein. Ist das nicht sehr optimistisch?
Das mögen Sie so sehen, nicht desto trotz gehört ein gewisser Optimismus zu solchen Zielsetzungen dazu. Wir sind gut vorbereitet und die Wachstumsraten der letzten Jahre bestärken uns darin, dass das möglich ist. Mit den Kompetenzen und der Erfahrung aus Rüsselsheim, zu denen wir im Rahmen des Projektes hoffentlich Zugang finden, sehen wir uns sehr wohl gut aufgestellt mitten in Deutschland mit einer breiten Kompetenz eine maßgebliche und hoffentlich bald auch führende Rolle zu spielen. Das Wettbewerbsumfeld ist uns wohl bekannt.
Wo setzen Sie derzeit die Schwerpunkte im Bereich Automotive?
Segula unterhält westlich von Paris ein großes Automobilzentrum. Von dort aus bedienen wir nicht zuletzt mit PSA und Renault die französische Automobilindustrie. Mit diesen beiden Kunden haben wir uns weltweit etabliert und sind ihnen in ihrer weltweiten Expansion gefolgt. Das wird weitergehen. Wir sind aber auch in Deutschland bereits mit über 550 Mitarbeitern vertreten und arbeiten dort mit den maßgeblichen Herstellern im süddeutschen, niedersächsischen und nordrhein-westfälischen Raum zusammen.
Wann erwarten Sie einen Abschluss der Verhandlungen?
Zum weiteren Verlauf kann ich derzeit keine Stellung nehmen. Da ist zunächst der Verkäufer in Gesprächen mit seinen Sozialpartnern gefragt.
Über welche Kompetenzen verfügen Sie bei Zukunftsthemen wie Elektromobilität oder autonomes Fahren?
Wir sind nicht nur im konventionellen Engineering beispielsweise in Bereichen wie Fahrwerk, Exterieur, Interieur, Licht und andere Dingen aktiv, sondern wollen künftig auch mehr auf der Antriebsseite tätig werden. Dass wir dort nicht nur konventionelle Antriebe betrachten ist klar. Ansonsten hat Segula in den vergangenen Jahren eine Vorreiterrolle bei Themen wie Augmented Reality, Sensorik und Fahrzeugintelligenz gespielt. Das wollen wir auch fortsetzen. Wir sehen uns also für diese Zukunftsthemen als Partner für die Fahrzeughersteller gut gerüstet und wollen uns hier künftig auch noch weiter verstärken.
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